Doina

2015, 12 Polaroids

Die Doina ist ein volkloristischer Musikstil mit arabisch-persischen Wurzeln, und in Rumänien beheimatet. Sie ist vergleichbar mit dem portugiesischen Fado oder dem afroamerikanischen Blues; Daher kann man sie als „musikalische Wehklage“ bezeichnen. Typisch für sie ist der freie Rhythmus und die improvisierte Koloratur einer traditionellen Melodie. Auf diese Weise kann ein Sänger oder Musiker seine Gefühle und Virtuosität perfekt ausdrücken.

Ähnlich wie die Doina zeigen diese zwölf Polaroids einen Ort der Sehnsucht, der mit Hilfe der technischen Unzulänglichkeit einer Polaroidkamera immer wieder aufs neue verzerrt und damit variiert wird. Dieser Ort wird dadurch seiner räumlichen und zeitlichen Zuordnung entrücken. Dadurch verschmilzt die Gegenwart mit der Vergangenheit und die Realität mit der Fiktion.


The Doina is a folk music style with Arabic-Persian roots and is native to Romania. It is comparable to the Portuguese fado or the Afro-American blues; Hence it can be described as „musical lamentation“. Typical for it is the free rhythm and improvised coloratura of a traditional melody. In this way, a singer or musician can perfectly express his feelings and virtuosity.

Similar to the Doina, these twelve Polaroids show a place of longing that, with the help of the technical inadequacy of a Polaroid camera, is repeatedly distorted and thus varied. This place will be removed from its spatial and temporal allocation. This merges the present with the past and reality with fiction.

Grenzgänger | Borderliner

Im Fokus dieser Arbeit stehen die Grenzen zwischen Innen und Außen und zwischen Realität und Fiktion. Symbolisiert wird diese Grenze durch Wände von unterschiedlicher Beschaffenheit und scheinbar durchlässigen Stellen (Fenster), die den Blick auf das Dahinterliegende nur noch mehr verhüllen.

Die Fotoabzüge wurden mit Garn auf Papier aufgenäht, deren Naht sich wie Morsezeichen am Rand entlang zieht. Der Akt des Nähens ist verletzend und heilend zugleich, wie das Nähen einer Wunde.

Im Gegensatz zur Sachlichkeit der Fotografie steht die malerische Abstraktion der kindlichen Zeichnung, die in besonderem Maße eine Grenze ist: denn die kindliche Zeichnung wandert stets den schmalen Grat entlang zwischen Beobachtung des äußeren Umfeldes und Ausdruck der inneren Befindlichkeit.

Für diese Arbeit habe ich Zeichnungen von 3- bis 5-jährigen Kindern gesammelt, und mich von diesen inspirieren lassen.


The focus of this work is on the boundaries between inside and outside and between reality and fiction. This boundary is symbolized by walls of varying texture and seemingly permeable places (windows) that only further obscure the view of what lies behind.

The photographic prints were sewn onto paper with thread, the stitching of which runs along the edge like Morse code. The act of sewing is hurtful and healing at the same time, like stitching a wound.

In contrast to the objectivity of the photograph is the painterly abstraction of the child’s drawing, which is a border to a particular degree: for the child’s drawing always wanders along the fine line between observation of the external environment and expression of the inner state of mind.

For this work I have collected drawings of 3 to 5 year old children, and let myself be inspired by them.

White Noise

Das „Rauschen“ ist eine physikalische Störgröße mit unspezifischem Frequenzspektrum, welches akustisch als höhenbetontes Störgeräusch empfunden wird.

Wikipedia

Visuell ist uns das Rauschen noch aus den heute kaum mehr gebräuchlichen Röhrenfernsehern als graues Feld mit feiner, sich bewegender Körnung bekannt. Schon der Speicherprozess von sinnlichen Erfahrungen im menschlichen Gehirn unterliegt verschiedenen Störungsbereichen, und das Wieder-Abrufen erst recht. Der Erfolg des sich-Erinnerns ist abhängig von der physischen oder mentalen Verfassung (Müdigkeit, Krankheit, Rauschzustand…), oder er ist abhängig davon, welcher Aspekt der Erinnerung gerade wichtig ist (Priorisierung), und er ist davon abhängig, wie diese Informationen interpretiert werden. Aufgrund des Selbsterhaltungstriebes ist nämlich das Gehirn (unbewusst) in der Lage, Erinnerung so wiederzugeben, wie sie uns in diesem spezifischen Augenblick nützlich ist.

Die Visualisierung des Erinnerungsprozesses stellt sich daher für mich als ein graues elektrostatisches Störfeld dar, aus dem Bilder auftauchen und wieder verschwinden. Manchmal sind diese Bilder nicht sehr deutlich, sodaß der Interpretationsspielraum sehr groß ist. Manchmal ist es hilfreich, einen Schritt zurück zu treten, um das Dargebotene aus einer gewissen Distanz zu betrachten. Für diese Arbeit habe ich eigene Fotografien und ein Standbild aus Terence Davies „Distant Voices, Still Lifes“ digital bearbeitet.