Memento

Die Basis dieser Arbeit bilden 25 Fotografien in Langzeitbelichtung, die während einer Tanzprobe gemacht wurden. Modulen gleich werden sie von mir neu angeordnet und wiederholt. So entsteht ein künstlicher, scheinbar endloser Tanz, der nichts mehr mit der ursprünglichen Choreografie zu tun hat.

Nach barockem Vorbild werden hier Schönheit und Tod metaphorisch gegenübergestellt – ein Vanitas-Tanz auf die Vergänglichkeit des Lebens. Dabei wird der Fluß der Zeit oder das Dahinfließen der Lebenszeit durch Wasser verkörpert, sei es durch das akustische, rhythmische Tropfen wie das Ticken einer Uhr, oder visuell durch das künstlich verlangsamte Fließen eines Flusses.

Begleitet wird das Video mit dem Auszug Das Totenamt aus dem Gedicht Das wüste Land von T.S. Eliot (Original: The Waste Land, 1922).

Tänzer: Dominik Feistmantl

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Phantom

Eine Freundin gab mir dieses alte Album ihrer Familie. Es rührt mich, dass sie es schon längst fortschmeißen wollte. Weil die Menschen auf den Fotos keine Bedeutung für sie haben, sagt sie. Aber sie habe es noch nicht übers Herz gebracht.

Nun halte ich es in meinen Händen und frage mich, wenn jemand die Geschichten dieser Menschen erzählen könnte, wären diese Erinnerungen wahr? Es wären erzählte Erinnerungen oder erinnerte Erzählungen oder erzählte Erinnerungen von Erzählungen von Erinnerungen…

Die Wissenschaft hat uns gelehrt, dass das Unterbewußtsein einen Zerrfilter über Erinnerung legt, damit sie uns nützlich ist. Wenn aber Erinnerung von Mensch zu Mensch immer mehr verzerrt wird, was kommt am Ende heraus? Wären folglich diese Geschichten nur unkontrollierbare Trugbilder einer inneren archaischen Macht?

Für mich ist dieses Fotoalbum der Beweis dafür, dass all unsere Bemühungen für ein bißchen Unsterblichkeit vergebens sind. Da sind wir uns einig – die Fliege und ich.

„Menschen machen Fotos gegenseitig
Zu beweisen, dass sie wirklich existierten
Auf Nummer sicher zu gehen, dass sie da sind
Menschen machen Fotos gegenseitig
In dem Glauben, dass jene Momente
Für alle Zeiten lebendig blieben.“

Auszug aus: Menschen Machen Fotos gegenseitig, Die goldenen Zitronen
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Schlafes Bruder

„Denn eines ist stärker als wir, und zwar das ewige Fortschreiten der Zeit, die nie anhält und zwangsläufig zum Tod führt.“

Christian Boltanski

Vier gesichtslose Tänzerinnen tanzen einen geisterhaften, sich scheinbar endlos wiederholenden Tanz. Wie in einem barocken Gemälde werden hier in ästhetisierender Weise Schönheit und „des Schlafes Bruder“ (= Tod) in einer Komposition gegenübergestellt – ein memento mori – untermauert von Johann Sebastian Bachs Kreuzstabkantate „Komm o Tod, du Schlafes Bruder“.

Verkörpert wird der Tod in Form von aufgespießten Schmetterlingen (= barockes Sinnbild für Tod und Auferstehung), die jedoch trotz ihres Zustands lebendig erscheinen.

Grundlage dieser Arbeit sind 12 Fotografien in Langzeitbelichtung. Durch ihre konstruierte Reihenfolge in schneller Abfolge entsteht eine künstliche Choreografie, die zunehmend verzerrt wird.

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Klagelied

2022, Animation, 7:28 min

In dieser künstlichen Unterwasserwelt schwirren unzählige kleine Irrlichter. Sie symbolisieren all die Menschen, die zwischen 2014 und 2022 auf ihrer Flucht nach Europa ertranken. Auf dem Grund dieses Meeres hören wir den Erzählungen von fünf jungen Flüchtlingen aus Afghanistan, Pakistan, Äthiopien und Gambia zu. Sie berichten von ihren Familien, von ihrer Flucht vor Gewalt, von ihren Hoffnungen und Träumen.

Das Audiomaterial wurde mit freundlicher Genehmigung des Jungen Theaters Augsburg zur Verfügung gestellt.

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Schlaf gut, Liebes

Ist dies eine Gute-Nacht-Geschichte? Wohl kaum!

„Mutter“ ist ein Sinnbild für „Fürsorge“. Aber welche Bedeutung haben „Fürsorge“ und „gute Mutter“? Gibt es universelle Kritterien, die frei von sozio-kultureller Prägung sind? Tatsächlich wird das Mutterbild von gesellschaftlichen Konventionen geprägt, die – über die Zeit betrachtet – nicht immer gleich waren.

Von einem alten Familienalbum und einem Märchen der Gebrüder Grimm inspiriert entwickelt sich hier eine Geschichte, die mich nachdenklich macht und mein aufgeräumtes Mutterbild auf den Kopf stellt.

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Childhood Must Be Beautiful

Nachdenken über den Mythos „Mutterschaft“.

Was bedeutet es, eine „gute“ Mutter zu sein?

Wer legt den Maßstab fest?

Das Mutterbild wird seit Jahrhunderten in jeder Kultur von religiös motivierten Idealen geprägt, deren westliches Vorbild Maria ist. Sie verkörpert männliche Macht-Phantasien von Keuschheit, Unterwürfigkeit, Selbstlosigkeit und von bedingungsloser Loyalität – Eigenschaften, die auch heute noch das Frauenbild in nahezu jeder patriarchalen Gesellschaft prägen.

Dieses Bild ist brüchig und beginnt sich zunehmend aufzulösen. Frauen wollen selbstbestimmt sein.
Aber was bedeutet es eine „gute“ Mutter zu sein?
Nachdenken über den Mythos „Mutterschaft“…

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Die Anprobe

Ich probiere verschiedene Identitäten an, wie ich Kleidungsstücke anprobiere. Es sind Menschen, die ich kannte und deren Geschichte ich als „Abkömmling“ fortsetze. Wer bin ich und was haben sie aus mir gemacht? Lebt ein Teil von ihnen in mir weiter? Für den Augenblick dieser Installation werden sie durch mich wieder lebendig.

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Schwarzes Kopftuch

2013, Fotoalbum, verschiedene Papiere, Acrylfarben, Gaze, 34 x 21 x 6 cm,

Ein altes Familienalbum ist gefüllt mit persönlichen geistigen Verbindungen zur Vergangenheit: Briefe, Bilder, Worte…. Es ist ein Versuch der Rekonstruktion, um die Vergangenheit mit den Mitteln der Gegenwart wiederherzustellen. Aber wie viel Wahrheit steckt darin? Und wie viel Utopie?

Je größer die zeitliche und örtliche Distanz zur Vergangenheit, desto mehr reduziert sich die Wahrheit auf das Wesentliche – eine Metapher über Raum und Zeit, über Heimat und Kindheit.

Das Kopftuch ist ein Symbol. Es erzählt von Weiblichkeit und Unterdrückung, von Tradition und Religion, von gestern und morgen. Das Kopftuch spielt in vielen Gesellschaften eine wichtige Rolle. In der Tat ist das schwarze Kopftuch das Auffälligste, an das ich mich aus meiner Kindheit als Angehörige der deutschen Minderheit in Rumänien erinnere. Es war ein sichtbares Zeichen der Ehe und des „Deutschtums“. Das Kopftuch begleitet mich auch heute noch in meinem Leben: gesellschaftlich, politisch, persönlich.

Dieses Werk ist als physisches Objekt oder Video verfügbar.

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Indizien

2014, Collage, Frottage, Fotoalbum, Fotografien, Acrylfarbe, verschiedene Papiere, Wachs, 34 x 21 x 6 cm

Das Fotoalbum ist eine Metapher des Zweifelns an der eigenen Existenz – eine Dokumentation von Spuren, die wertlos wird, wenn sich niemand mehr an die Geschichten hinter den Bildern erinnert. Ich habe dieses Fotoalbum auf dem Flohmarkt gekauft und neu bestückt – ein Archiv von Spuren mit Geschichten, die sich jedem Betrachter auf eigene Art erschließen.

Dieses Werk ist als physisches Objekt oder Video verfügbar.

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Garten Eden

Wir sind das Narrativ aus eigener Erinnerung und der Erinnerung anderer an uns. Vielleicht ist dies der Grund, warum ich meinem Vater so gerne zuhörte, wenn er mir von seiner Kindheit berichtete – eine Kindheit, die er trotz Hunger und Krieg immer in wunderbaren Bildern schilderte, eingebettet in Orte, die mir vertraut sind.

2014 beschloss ich, seine Erzählungen aufzuzeichnen – einerseits, weil ich diesen gemeinsamen Augenblick festhalten wollte; und andererseits, weil seine Geschichten nicht nur Zeitdokumente sind, sondern auch etwas über mich selbst erzählen.

Die authentischen, leidenschaftlichen Ausführungen meines Vaters verschmelzen dabei mit meinen eigenen filmischen Aufnahmen aus dem heutigen Rumänien, welches unsere erste, gemeinsame Heimat war.

In dem Werk „Garten Eden“ geht es um Heimat als Utopie, um Kindheit als verlorenes Paradies, und um Identität, die sich aus Erzählungen speist.

Die Interviews wurden zwischen 2014 und 2016 aufgezeichnet.

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