


Tänzer: Dominik Feistmantl



Tänzer: Dominik Feistmantl



„Menschen machen Fotos gegenseitig
Zu beweisen, dass sie wirklich existierten
Auf Nummer sicher zu gehen, dass sie da sind
Menschen machen Fotos gegenseitig
In dem Glauben, dass jene Momente
Für alle Zeiten lebendig blieben.“
Auszug aus: Menschen Machen Fotos gegenseitig, Die goldenen Zitronen



„Komm, o Tod, du Schlafes Bruder,
Komm und führe mich nur fort;
Löse meines Schiffleins Ruder,
Bringe mich an sichern Port!„
aus: Johann Sebastian Bach Kreuzstabkantate, BWV56

In dieser künstlichen Unterwasserwelt schwirren unzählige kleine Irrlichter. Sie symbolisieren all die Menschen, die zwischen 2014 und 2022 auf ihrer Flucht nach Europa ertranken. Auf dem Grund dieses Meeres hören wir den Erzählungen von fünf jungen Flüchtlingen zu: Jayjay und Ismail aus Afghanistan, Zeeshan aus Pakistan, Abdi aus Äthiopien und Sulayman aus Gambia. Sie berichten von ihren Familien, von ihrer Flucht vor Gewalt, von ihren Hoffnungen und Träumen.
Audiomaterial: mit freundlicher Genehmigung des Jungen Theaters Augsburg




Die Schönheit des Lebens und sein antropogener Tod.

2022, Video mit Ton, Animation, 4:45 min
Ich beobachte meine Kinder beim Spielen. Ich suche in ihren Bewegungen, in ihren Worten nach Spuren meines eigenen Versagens. Werden sie der Maßstab sein, nach dem ich beurteilt werde?
Mantra ist ein experimenteller Kurzfilm, der über den Mythos der Mutterschaft nachdenkt. Was bedeutet es, eine „gute“ Mutter zu sein? Und wer entscheidet darüber?
Seit Jahrhunderten wird das Bild der Mutter von religiösen Idealen geprägt – in der westlichen Kultur vor allem von der Figur der Maria. Sie verkörpert männliche Fantasien von Keuschheit, Gehorsam, Selbstlosigkeit und bedingungsloser Hingabe – Tugenden, die auch heute noch in den patriarchalischen Erwartungen an Frauen nachklingen.
Doch dieses Bild beginnt zu bröckeln. Frauen verlangen nach Autonomie, Komplexität und Widersprüchlichkeit.
Mantra stellt ererbte Ideale in Frage und legt die Spannung zwischen innerer Wahrheit und äußerem Urteil offen. Eine Meditation über Mutterschaft – nicht als Mythos oder moralische Rolle, sondern als gelebte, sich entwickelnde Identität.



Alte Fotografien in einem Familienalbum erwachen auf eigentümliche Weise zum Leben. Es sind meine Augen, die mich aus ihren Gesichtern ansehen. Ich „schlüpfe“ in meine Mutter wie in ein Kleidungsstück, dann in meinen Vater, meinen Bruder, meine Großmutter – eine Gestalt nach der anderen.
Wie fühlt es sich an, die Toten wieder lebendig werden zu lassen?
Es sind Menschen, mit denen ich tief verbunden war – ihre Geschichten wirken in mir weiter, ich bin ihr „Abkömmling“. Wer bin ich, und was haben sie aus mir gemacht? Lebt ein Teil von ihnen in mir fort?
Die Anprobe ist ein experimenteller Kurzfilm über Erinnerung, Herkunft und Identität – ein Versuch, sich den eigenen Wurzeln körperlich und emotional anzunähern, Bild für Bild.



In diesem Werk findet sich der Zuschauer in einer beklemmenden Situation von Orientierungslosigkeit, Unbehagen und Vorahnung wieder. Er wird im Unklaren über den Protagonisten, dessen Motivation für sein Handeln und dessen Bezug zum Raum gelassen. Gleichzeitig wird ihm eine unangenehme Nähe zum Geschehen zuteil, der er sich nicht entziehen kann. Kinderhände, Brotkrumen, Feuer und tote Insekten nehmen Bezug zu Grimms Märchen „Hänsel und Gretel“.





Wir sind das Narrativ aus eigener Erinnerung und der Erinnerung anderer an uns. In diesem Werk geht es um Heimat als Utopie, um Kindheit als verlorenes Paradies, und um Identität, die sich aus Erzählungen speist.
Hier sitzen wir nun am Eßtisch meiner Kindheit und lauschen den Erinnerungen meines Vaters. Ein sehr intimer Augenblick, der ewig währt.

Neben dem biblischen Paradies gibt es viele „Paradiese“: Kindheit oder Heimat beispielsweise sind Sehnsuchtsorte, die mehr zeitlich verortet sind als räumlich. Die einzige Möglichkeit, in diese Paradiese zurückzukehren, besteht darin, sich zu erinnern. Der Erinnerungsprozess ist jedoch unterschiedlichen Störungen ausgesetzt. Diesen Vorgang vergleiche ich mit der Suche nach dem richtigen Radiosender, der durch überlagerte Frequenzen oder statische Geräusche gestört wird. Ebenso ist das Gedächtnis nicht immer zugänglich. Oft gibt es nur vage Bilder, die ein hohes Maß an Interpretation erfordern.
