Statement

Wir sind das Narrativ aus eigener Erinnerung und der Erinnerung anderer an uns. So formt sich unsere Identität in einem chronologischen Kontext.

Aber heute wissen wir, dass Erinnerung weder wahr, noch objektiv, noch vollständig ist. Wir legen Spuren, sammeln Dokumente und Fotografien, und archivieren diese. Ich sehe darin einen existenziellen Zweifel: Wer bin ich wirklich, wenn ich meinem und dem Gedächtnis anderer nicht trauen kann? Wenn ich keine Spuren hinterlasse, habe ich dann jemals existiert?

Im digitalen Zeitalter sind Cloud-Archive mit riesigen Speichervolumen unser Gedächtnis. Algorithmen sammeln Unmengen von Daten und Spuren, die wir in der unendlichen Weite des Internets hinterlassen. Sie finden alles und vergessen nichts. Sie scheinen uns besser zu kennen als wir uns selbst. Und mehr noch – sie wissen sogar mit statistischer Wahrscheinlichkeit was wir als nächstes tun werden.
Können sie uns sagen, wer wir sind? Können wir ihnen vertrauen? Oder sind dies auch nur Zerrbilder künstlicher Intelligenzen, deren Logik und Absichten niemand durchschauen kann?

Im Mittelpunkt meines Interesses steht der Mensch mit seiner subjektiven Wahrnehmung und seiner Fähigkeit sich zu erinnern, zu vergessen, zu assoziieren und – bewusst oder unbewusst – sich seine eigenen Utopien auszudenken.

Erika Kassnel-Henneberg

„Mensch ist, wer eine Utopie hat.“

Christian Boltanski
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