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Die Ambivalenz einer simulierten Gegenwart

In meiner künstlerischen Praxis entstehen Bildräume, in denen sich analoge Fundstücke und digitale Verfahren überlagern. Mich interessiert, wie sich Erinnerungen unter diesen Bedingungen verändern – nicht als stabile Rückblicke, sondern als bewegliche, neu zusammengesetzte Fragmente.

zwischen analog und digital

Ausgangspunkt vieler Arbeiten sind Briefe, Fotografien, Familienalben oder beiläufige Objekte. Durch digitale Eingriffe und den Einsatz künstlicher Intelligenz werden diese Materialien verschoben, ergänzt und teilweise neu generiert. Dabei entstehen Bilder, die sich zwischen Dokument und Konstruktion bewegen, ohne sich eindeutig festlegen zu lassen.

Wer bin ich, wenn Algorithmen mich definieren?

Viele Arbeiten folgen keiner linearen Zeitlogik. Im Loop angelegt, kreisen sie um Zustände, die sich wiederholen und gleichzeitig verändern. Erinnerung erscheint hier nicht als etwas Abgeschlossenes, sondern als ein Prozess fortlaufender Überlagerung.

Dabei interessiert mich auch die emotionale Qualität dieser Bilder: Momente von Vertrautheit, die kippen können, Unschärfen, die sich nicht auflösen. Es bleibt offen, ob das, was wir sehen, sich eher wie ein Traum oder wie ein Albtraum verhält.

machbar oder ethisch?

Digitale Systeme speichern und verarbeiten solche Bilder nicht neutral. Sie ordnen, gewichten und schreiben Bedeutungen fort. In diesem Zusammenspiel entsteht ein Bild von Identität, das weniger gefunden als vielmehr erzeugt wird.

Was bleibt vom Begriff des Menschlichen, wenn seine Konturen zunehmend durch künstliche Systeme mitdefiniert werden?

Erika Kassnel-Henneberg, Mai 2026