Die Ambivalenz einer simulierten Gegenwart
In meiner künstlerischen Praxis verschmelzen analoge Artefakte und digitale Prozesse zu hybriden Bildwelten, die Erinnerung, Identität und die Auswirkungen der digitalen Transformation reflektieren. Mich fasziniert die Ambivalenz unserer analogen und digitalen Gegenwart, und wie Algorithmen unsere Wahrnehmung verändern.
zwischen analog und digital
Ausgangspunkt vieler Arbeiten sind analoge Fundstücke: Briefe, Fotografien, Familienalben oder vergessene Objekte. Digitale Bearbeitung und künstliche Intelligenz kontextualisieren diese Spuren neu – zwischen Dokumentation und Fiktion, zwischen gestern und morgen.
Wer bin ich, wenn Algorithmen mich definieren?
Ein zentrales Medium ist das bewegte Bild in Endlosschleife. Der Loop verweigert das Ende, visualisiert Wandel und Wiederkehr – und verweist auf die digitale Unendlichkeit, in der Zeit und Erinnerung zirkulieren. Meine Werke thematisieren die Ambivalenz des perfekten Erinnerns durch intelligente Systeme. Cloud-Archive speichern unsere Spuren, Algorithmen analysieren uns in Echtzeit. Können sie uns sagen, wer wir sind?
machbar oder ethisch?
Technologischer Fortschritt beschleunigt sich rasant. Die Abwägung zwischen Machbarkeit und Verantwortung wird zur Schlüsselfrage unserer Zeit. Am Ende bleibt keine Gewissheit – sondern eine Frage:
Wer oder was wollen wir werden in einer Zukunft, in der Maschinen die Deutungshoheit über unser Dasein beanspruchen könnten?
Erika Kassnel-Henneberg, Juli 2025
