Deep Paula

2022, 5:35 min

„Menschen machen Fotos gegenseitig – zu beweisen dass, sie wirklich existierten“ sangen die Goldenen Zitronen 1994. Heute wissen wir, dass Fotos nichts beweisen, weil sie sehr einfach manipuliert werden können. Und schon längst werden sie auch nicht mehr in Fotoalben archiviert, sondern liegen in der Cloud auf unbekannten Servern.

Und doch – unser Verhältnis zum eigenen Abbild ist ambivalent: Selfies sollen beweisen, dass wir bei Omas Geburtstag oder auf dem Eiffelturm waren, und gleichzeitig können wir mit nur einem Klick unser Gesicht bis zur Unkenntlichkeit manipulieren. Die technischen Möglichkeiten sind unendlich und werden immer perfekter dank Deep Learning und somit KI-gestützter Anwendungen.

Was bedeutet es aber, wenn wir alte Fotos optimieren oder sogar animieren können? Was wird aus unseren Erinnerungen, wenn die Patina fehlt und verstorbene Menschen uns plötzlich anlächeln?

In dieser Arbeit werden wir mit einer alten Fotografie konfrontiert, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz manipuliert wurde. Das Mädchen auf dem Foto scheint sehr lebendig und authentisch zu sein. Fühlen wir uns ihr näher? Wir sehen unterschiedliche Bewegungs- und Ausdrucksformen bis sie schließlich sogar zu tanzen scheint. Spätestens jetzt wird deutlich, wie absurd es ist, standardisierte Bewegungen auf das Portrait eines Individuums zu mappen. Und am Ende muss man sich auch fragen, ob es „Paula“ gefallen hätte was wir mit ihrem Andenken machen.

Wird die Erinnerung an eine Person überflüssig, wenn eine künstliche Lebendigkeit unserem eigenen fehlerhaften Standbild im Kopf weicht?

Und trägt diese Illusion nicht vielmehr dazu bei, den letzten Rest der Erinnerung an den echten Menschen zu verlieren?

Musik: KI-generiert