Paradise Lost

Die Arbeit „Paradise lost“ handelt von Erinnerungen und ihren utopischen Orten. Der Erzähler berichtet von seiner Kindheit als Deutscher in Rumänien während des Zweiten Weltkriegs. Obwohl es offensichtlich ist, dass diese Kindheit unter schwierigen Umständen gelebt wurde, deutet die Leidenschaft in der Erzählung auf eine Sehnsucht nach dieser Zeit hin, die mit kindlicher Unbeschwertheit und Heimat verbunden ist. Das verlorene Paradies ist eine Metapher für Kindheit – eine Utopie, die in der Vergangenheit verortet ist.

Die Audioinstallation ist eine Komposition aus einem fragmentierten Interview, Feldaufnahmen, Rezitationen verschiedener Gedichte (u.a. „Paradies Lost“ von John Milton, gelesen von Tom O’Bedlam) und entfremdeten Musiksequenzen. Der Ton wird von synchronisierten Bild- und Videosequenzen begleitet.


The work „Paradise lost“ is about memories and their utopian places. The narrator tells of his childhood as a German in Romania during the Second World War. Although it is obvious that this childhood was lived under difficult circumstances, the passion in the narrative suggests a longing for this time associated with childlike lightheartedness and home. Paradise lost is a metaphor for childhood – a utopia that is located in the past.

The audio installation is a composition of a fragmented interview, field recordings, recitations of various poems (including „Paradies Lost“ by John Milton, read by Tom O’Bedlam) and alienated music sequences. The sound is accompanied by synchronized image and video sequences.

Credits:

Erzähler. Johann Kassnel (1932 – 2020)

Rezitator: „Tom O’Bedlam“

Hänsel

In diesem surrealistischen Kurzfilm findet sich der Zuschauer in einer beklemmenden Situation von Orientierungslosigkeit, Unbehagen und Vorahnung wieder. Er wird im Unklaren über den Protagonisten, dessen Motivation für sein Handeln und dessen Bezug zum Raum gelassen. Gleichzeitig wird ihm eine unangenehme Nähe zum Geschehen zuteil, der er sich nicht entziehen kann. Kinderhände, Brotkrumen, Feuer und tote Insekten nehmen Bezug zu Grimms Märchen „Hänsel und Gretel“.


In this surrealistic short film, the viewer finds himself in an oppressive situation of disorientation, discomfort and premonition. He is left in the dark about the protagonist, his motivation for his actions and his relation to the space. At the same time, he is given an uncomfortable closeness to what is happening, which he cannot escape. Children’s hands, breadcrumbs, fire and dead insects refer to Grimm’s fairy tale „Hansel and Gretel“.

Zu dieser Arbeit hat mich das Intro zu David Finchers Film „Se7en“ inspiriert, ebenso wie „Streets of Crocodiles“ der Brüder Quay.

Fading Away

2015, Animation, 2:34 min

Das Video zeigt ein altes Kabinettfoto einer jungen Frau um 1900.
Nach einer Weile beginnt sie zu blinzeln, ihr Herz schlägt und sie atmet – sie erwacht zum Leben. Aber je lebhafter sie wirkt, desto mehr verschwindet ihr Bild. Herzschlag und Atem werden langsamer, bis es still wird. Dieser Arbeit liegt ein Zitat von Immanuel Kant zugrunde: „Nur wer vergessen wird, ist wirklich tot.“


The video shows an old cabinet photo of a young woman around 1900.
After a while she starts to blink, her heart beats and she breathes – she comes to life. But the livelier it looks, the more its image disappears. The heartbeat and breath slow down until it becomes still. This work is based on a quote from Immanuel Kant: „Only those who are forgotten are really dead.“

Vergebens / In Vain

Was bleibt am Ende eines Lebens? Zwei Zahlen und dazwischen ein kurzer schwarzer Strich.“

Christian Boltanski

Tänzerinnen: Silvana Lemm, Therese Madeleine Thonfors, Natalie Farkas


What is left at the end of a life? Two numbers and a short black line between them.“

Christian Boltanski

Rückkehr ins Paradies

2015, Animation, 3 x C-print, 20 x 20 cm

Neben dem biblischen Paradies gibt es viele „Paradiese“ wie Kindheit oder Heimat, die mehr zeitlich verortet sind als räumlich. Die einzige Möglichkeit, in diese Paradiese zurückzukehren, besteht darin, sich zu erinnern. Der Erinnerungsprozess ist jedoch unterschiedlichen Störungen ausgesetzt. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit der Suche nach dem richtigen Radiosender, der durch überlagerte Frequenzen oder statische Geräusche gestört wird. Ebenso haben wir nicht immer Zugang zu unserem Gedächtnis aufgrund unserer momentanen körperlichen oder geistigen Verfassung. Was bleibt, ist ein vages Bild, das ein hohes Maß an Interpretation erfordert. Erinnerung ist nicht immer verfügbar. Sie ist auch nicht immer vollständig und muss nicht einmal wahr sein. Das wissen wir unbewusst.

Der Erinnerungsprozess ist ein kreativer Akt, der unbewusst ausgelöst werden kann, – und unser Gehirn ist ein brillanter, wandelbarer Künstler, stetig bemüht, sich an optimiertes Lernen für die Zukunft anzupassen. Und dennoch müssen wir unserem Gedächtnis vertrauen, weil es uns in einem chronologischen Zusammenhang sagt, wer wir in sind. Ich schließe daraus eine existenzielle Angst: Wer sind wir, wenn wir der Erinnerung nicht vertrauen können? Sind die erinnerten Paradiese nur Illusionen? Sind wir Illusionen?


In addition to the biblical paradise, there are many “paradises” such as childhood or home, which are located more in time than in space. The only way to return to these paradises is to remember. However, the process of remembering is exposed to different disorders. This process is comparable to looking for the right radio station that is disrupted by superimposed frequencies or static noises. Likewise, we do not always have access to our memory due to our current physical or mental state. What remains is a vague image that requires a great deal of interpretation. Memory is not always available. It is also not always complete and does not even have to be true. We know that unconsciously.

The process of remembering is a creative act that can be triggered unconsciously – and our brain is a brilliant, changeable artist, constantly striving to adapt to optimized learning for the future. And yet we have to trust our memory because it tells us who we are in in a chronological context. From this I conclude an existential fear: Who are we if we cannot trust memory? Are the remembered paradises just illusions? Are we illusions?


Utopia wohnt nebenan

2015 / 2019, Gemeinschaftsprojekt mit Gerald Fiebig, Sound produziert für ORF Kunstradio, Uraufführung 27.12.2015, 22:30 min

„25 Jahre nach Ende des Kalten Krieges ist vielerorts wieder eine große politische Distanz zwischen Westeuropa (z.B. Österreich) und Osteuropa (z.B. Rumänien) auszumachen. Allein schon an den historischen Wahlverwandtschaften zwischen den Städten Wien und Timişoara lässt sich festmachen, dass dies ein Zerrbild ist. Für das Stück Utopia wohnt nebenan bewegen sich die Autor_innen durch die beiden Städte, inspiriert vom situationistischen Konzept der psychogeographischen Erkundung. Ausgangspunkte des ‚Umherschweifens’ sind jeweils die Stadtteile Innere Stadt und Josefstadt (die es aufgrund der gemeinsamen Geschichte in Wien und Timişoara gibt). Aus den dabei gesammelten Fieldrecordings und Fotografien komponieren sie die Klang-Bild-Landschaft einer utopischen Stadt, in der der Gegensatz von West und Ost außer Kraft gesetzt ist. In die Komposition eingewoben sind O-Töne mit Zeitzeug_innen, die sich an solidarisches Zusammenleben in ihrer Heimat in Wien bzw. Timişoara unter schwierigen sozialen und politischen Bedingungen in unterschiedlichen Phasen des 20. Jahrhunderts erinnern. Die Zitate werden anhand gemeinsamer thematischer Motive in einen dialogartigen Bezug zueinander gesetzt, die den Blick auf den „Überschuss des Möglichen im Wirklichen“ (Ernst Bloch) der realen Geschichte von Österreich und Rumänien eröffnen. Die Sprecher_innen sind Friederike Brenner (geboren 1923 in Mödling bei Wien) und Johann Kassnel (geboren 1932 in Jahrmarkt bei Timişoara).“

Gerald Fiebig

„25 years after the end of the Cold War, the political distance between Western Europe (e.g. Austria) and Eastern Europe (e.g. Romania) seems to be increasing again in many respects. But this distorts the fact that there is a lot of shared history, which already becomes evident when looking at the parallels between the cities of Vienna and Timisoara. For their piece „Utopia lives next door“, the authors move through both cities, inspired by the situationist concept of psychogeographical examination of urban environments by means of „dérive“ the deliberately drifting walk through a city. The starting point of the excursions are the quarters Innere Stadt and Josefstadt – due to the shared history, both Vienna and Timisoara have districts with these names. From the field recordings thus collected, the authors compose the soundscape of a utopian city in which the difference between West and East has been erased. Woven into the composition are voice recordings from interviewees recalling instances of lived solidarity under difficult social and political circumstances in Vienna and Timisoara during different phases of the 20th century. Based on shared thematic motifs, the quotes are arranged into a quasi-dialogic relation to each other that offers a glimpse of the possibilities that were at hand, but were missed in the actual history of Austria and Romania. The speakers are Friederike Brenner (born in 1923 in Mödling near Vienna) and Johann Kassnel (born 1932 in Jahrmarkt near Timisoara).

Gerald Fiebig

Wiegenlied 2.0

Ein Strand und ein stürmisches Meer. Während wir zwei Kinder beim Spielen im Sand beobachten, erzählen fünf junge Flüchtlinge aus Afganistan, Pakistan, Äthiopien und Gambia von ihren Familien und von ihrer Flucht von Gewalt, von ihrer Hoffnung und Träumen. Das Audiomaterial wurde mit freundlicher Genehmigung des Jungen Theaters Augsburgs zur Verfügung gestellt.

Audio-Aufnahmen und Interviews: Susanne Reng (Regie)

Audio-Schnitt: EKH


A strand and a stormy sea. While we are watching two children playing in the sand, five young refugees from Afghanistan, Pakistan, Ethiopia and Gambia tell about their family, about their escape from violence, and about their hope and dreams.

The audio material was made available with the kind permission of the Junge Theater Augsburg.

Memento…Boltanski!

Memento… Boltanski! “ veranschaulicht auf ästhetisierende Weise die Sinnlosigkeit des Lebens.

Eine künstliche Choreografie wird durch Aneinanderreihung und Wiederholung von 25 Standbildern generiert. Ein Rhythmus wird durch Module natürlicher und künstlicher Geräusche gebildet (Wassertropfen und das Klappern einer Maschine). Eine flüsternde Stimme rezitiert „Das Begräbnis der Toten“ aus dem Gedicht „The Waste Land“ von T.S. Eliot

Im linken Teil des Bildschirms befindet sich ein statisches Bild, das auf den ersten Blick an ein sakrales Motiv erinnert, vielleicht an eine Art Altar. Tatsächlich ist es ein Tisch mit einem Vogelnest, in dem kleine Vogel-Skelette liegen, der von einem Neonlicht beleuchtet wird.

Tänzer: Dominik Feistmantl


„Memento…Boltanski!“ deals in an aestheticising manner with futility of life.

An artificial choreography is generated by variation of order and repetition of 25 stills of a dancing Person. In the same way a rhythm is formed by moduls of natural and artificial sounds (water drops and a machinery’s chattering). A whispering voice recites “The Burial of the Dead“ out of the poem “The Waste Land“ by T.S. Eliot.

In the left part of the screen there is a static picture, which at first sight reminds of a sacral motive, maybe a kind of altar. In fact it is a table with a bird’s nest and small skeletons on the surface, which is lighted by a neon light.

Dancer: Dominik Feistmantl