Paradies

2022, Animation, 2:56 min

Ein goldener Apfel schwebt durch die Luft. Auf seiner glänzenden Oberfläche spiegeln sich Orte
und Menschen. Ist dies das Paradies?

Deep Paula

2022, 5:35 min

„Menschen machen Fotos gegenseitig – zu beweisen dass, sie wirklich existierten“ sangen die Goldenen Zitronen 1994. Heute wissen wir, dass Fotos nichts beweisen, weil sie sehr einfach manipuliert werden können. Und schon längst werden sie auch nicht mehr in Fotoalben archiviert, sondern liegen in der Cloud auf unbekannten Servern.

Und doch – unser Verhältnis zum eigenen Abbild ist ambivalent: Selfies sollen beweisen, dass wir bei Omas Geburtstag oder auf dem Eiffelturm waren, und gleichzeitig können wir mit nur einem Klick unser Gesicht bis zur Unkenntlichkeit manipulieren. Die technischen Möglichkeiten sind unendlich und werden immer perfekter dank Deep Learning und somit KI-gestützter Anwendungen.

Was bedeutet es aber, wenn wir alte Fotos optimieren oder sogar animieren können? Was wird aus unseren Erinnerungen, wenn die Patina fehlt und verstorbene Menschen uns plötzlich anlächeln?

In dieser Arbeit werden wir mit einer alten Fotografie konfrontiert, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz manipuliert wurde. Das Mädchen auf dem Foto scheint sehr lebendig und authentisch zu sein. Fühlen wir uns ihr näher? Wir sehen unterschiedliche Bewegungs- und Ausdrucksformen bis sie schließlich sogar zu tanzen scheint. Spätestens jetzt wird deutlich, wie absurd es ist, standardisierte Bewegungen auf das Portrait eines Individuums zu mappen. Und am Ende muss man sich auch fragen, ob es „Paula“ gefallen hätte was wir mit ihrem Andenken machen.

Wird die Erinnerung an eine Person überflüssig, wenn eine künstliche Lebendigkeit unserem eigenen fehlerhaften Standbild im Kopf weicht?

Und trägt diese Illusion nicht vielmehr dazu bei, den letzten Rest der Erinnerung an den echten Menschen zu verlieren?

Musik: KI-generiert

Taktung

2022, 4:40 min

In Anlehnung an das Werk Bodytalk wird hier die Frage fortgeführt, welches die condition humana sei. Ein weiterer Aspekt der Abgrenzung zum Tier ist es meiner Ansicht nach die Fähigkeit der absoluten Körperbeherrschung. In Abgrenzung zur Künstlichen Intelligenz ist es die Körperlichkeit in Kombination mit Emotion und Eleganz.

In dieser Arbeit werden komplexe menschliche Bewegungen in Form eines Tanzes dem humanoiden Roboter HRP-4C, wie er 2010 der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde, gegenübergestellt.

Tänzer: Dominik Feistmantl

Bodytalk

2022, 3:40 min

Ausgangpunkt dieser Arbeit war ein Bericht im Radio über einen neuen Meilenstein in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. Es sei Forschern erstmal gelungen eine KI zu entwickeln, die im Pokern gegen fünf reale Profispieler gewonnen hat.

Das Besondere beim Pokern ist die Komplexität der Strategieberechnung, weil – anders als beispielsweise beim Schach – die Informationen unvollständig sind (verdecktes Blatt) und die Gegner unberechenbar handeln (Veschleiern des eigenen Blattes und ständiger Strategiewechsel als Reaktion auf Gegenspieler). Gleichzeitig muss auch die KI den Gegner täuschen um zu siegen.
Alles in Allem fordert dies der KI besondere Fähigkeiten ab, die sie auf die nächste Evolutionsstufe katapultieren.

In dieser Arbeit philosophiert eine künstliche Stimme über Sprache als conditio humana und kommt zu einer überraschenden Schlussfolgerung. Denn tatsächlich ist es die KI, die hier spricht, und der Mensch, der „körperlich“ ist.

Tänzer: Dominic Feistmantl

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ich.bin.MUM

2022, Animation, 5:57 min

Es klingt wie die englische Kurzform von Mutter, jedoch handelt es sich hierbei um Googles neue KI Multitask Unified Model, die seit 2021 konsequent lernt, welche Absichten hinter unseren Fragen stecken, egal welche Sprache wir sprechen. Dadurch kann sie noch schneller und päziser antworten. MUM weiß was wir wollen. Wir können sie alles fragen.

Ein organisches Etwas, einem Auge ähnlich, scannt die Umgebung wie eine Überwachungskamera. Es ist MUM. Ihr gegenübergestellt ist eine echte Mutter. Sind wir uns ähnlich? Mit jeder Suchanfrage lernt sie uns besser zu verstehen. Weiß sie bald mehr über uns als wir über uns selbst? Was ist sie? Mutter oder Monster?

„Insgeheim sind wir alle nur auf der Suche nach einer übergeordneten Instanz.

Irgendjemand, der uns sagt, was, verdammt noch mal, wir tun sollen.“

Süddeutsche Zeitung, Update für die Übermutter vom 29.8.2021
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Homunculus

2022, Animation, 6:35 min

Der Begriff Homunculus (= lat. „Menschlein“) bezeichnet einen künstlich erschaffenen Menschen – und steht für den Menschheitstraum, ein Wesen nach eigener Vorstellung konstruieren bzw. designen zu können, und zwar mit Hilfe neuester Technik. Literarisch wurde diese Idee bereits in vielfacher Weise verarbeitet, so zum Bespiel in Mary Shelleys Frankenstein.

Heute sind wir dieser Idee so nahe wie nie zuvor. Im Zeitalter von Deep Learning sind es nicht mehr Alchemisten oder Wissenschaftler, sondern Programmierer, die künstliche Intelligenzen anlernen, menschenähnliche Gesichter selbstständig und täuschend echt zu generieren. Genial, unheimlich oder gefährlich?

In dieser Arbeit sehen wir uns einer Reihe solcher künstlicher Portraits gegenüber. Auf seltsame Weise kommunizieren sie mit uns: ihre Augen scheinen den Raum zu erkunden und ihre Mimik verändert sich. Das Erkennen von Gesichtern und das Verstehen von non-verbaler Kommunikation prägt uns als Spezies Mensch und als soziale Wesen. Wie reagieren wir aber, wenn eine KI versucht, genau diese Fähigkeit zu imitieren? Will sie uns täuschen? Mit uns kommunizieren? Uns testen?

Schon als Kind habe ich mir Wachsfiguren nie gerne angesehen. Sie sahen für mich irgendwie gruselig aus. Zu dieser Zeit wurden elektronische Handprothesen entwickelt, die bei mir das gleiche Gefühl auslösten. Diese Erfahrungen haben mich dazu gebracht, über Roboter im Allgemeinen nachzudenken, was mich dazu brachte, diesen Aufsatz zu schreiben. Das Uncanny Valley war meine Intuition.

Masahiro Mori über seinen Essay über „Das Uncanny Valley“
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Memento

2022, Animation, 5:00 min

Die Basis dieser Arbeit bilden 25 Fotografien in Langzeitbelichtung, die während einer Tanzprobe gemacht wurden. Modulen gleich werden sie von mir neu angeordnet und wiederholt. So entsteht ein künstlicher, scheinbar endloser Tanz, der nichts mehr mit der ursprünglichen Choreografie zu tun hat.

Nach barockem Vorbild werden hier Schönheit und Tod metaphorisch gegenübergestellt – ein Vanitas-Tanz auf die Vergänglichkeit des Lebens. Dabei wird der Fluß der Zeit oder das Dahinfließen der Lebenszeit durch Wasser verkörpert, sei es durch das akustische, rhythmische Tropfen wie das Ticken einer Uhr, oder visuell durch das künstlich verlangsamte Fließen eines Flusses.

Begleitet wird das Video mit dem Auszug Das Totenamt aus dem Gedicht Das wüste Land von T.S. Eliot (Original: The Waste Land, 1922).

Tänzer: Dominik Feistmantl

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Surfing The Inside

2022, Animation, 2:51 min

Eine Freundin gab mir dieses alte Album ihrer Familie. Es rührt mich, dass sie es schon längst fortschmeißen wollte. Weil die Menschen auf den Fotos keine Bedeutung für sie haben, sagt sie. Aber sie habe es noch nicht übers Herz gebracht.

Nun halte ich es in meinen Händen und frage mich, wenn jemand die Geschichten dieser Menschen erzählen könnte, wären diese Erinnerungen wahr? Es wären erzählte Erinnerungen oder erinnerte Erzählungen oder erzählte Erinnerungen von Erzählungen von Erinnerungen…

Die Wissenschaft hat uns gelehrt, dass das Unterbewußtsein einen Zerrfilter über Erinnerung legt, damit sie uns nützlich ist. Wenn aber Erinnerung von Mensch zu Mensch immer mehr verzerrt wird, was kommt am Ende heraus? Wären folglich diese Geschichten nur unkontrollierbare Trugbilder einer inneren archaischen Macht?

Für mich ist dieses Fotoalbum der Beweis dafür, dass all unsere Bemühungen für ein bißchen Unsterblichkeit vergebens sind.

„Menschen machen Fotos gegenseitig
Zu beweisen, dass sie wirklich existierten
Auf Nummer sicher zu gehen, dass sie da sind
Menschen machen Fotos gegenseitig
In dem Glauben, dass jene Momente
Für alle Zeiten lebendig blieben.“

Auszug aus: Menschen Machen Fotos gegenseitig, Die goldenen Zitronen
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Schlafes Bruder

2022, Animation, 3:00 min

„Denn eines ist stärker als wir, und zwar das ewige Fortschreiten der Zeit, die nie anhält und zwangsläufig zum Tod führt.“

Christian Boltanski

Vier gesichtslose Tänzerinnen tanzen einen geisterhaften, sich scheinbar endlos wiederholenden Tanz. Wie in einem barocken Gemälde werden hier in ästhetisierender Weise Schönheit und „des Schlafes Bruder“ (= Tod) in einer Komposition gegenübergestellt – ein memento mori – untermauert von Johann Sebastian Bachs Kreuzstabkantate „Komm o Tod, du Schlafes Bruder“.

Verkörpert wird der Tod in Form von aufgespießten Schmetterlingen (= barockes Sinnbild für Tod und Auferstehung), die jedoch trotz ihres Zustands lebendig erscheinen.

Grundlage dieser Arbeit sind 12 Fotografien in Langzeitbelichtung. Durch ihre konstruierte Reihenfolge in schneller Abfolge entsteht eine künstliche Choreografie, die zunehmend verzerrt wird.

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Childhood Must Be Beautiful

2022, Video, 3:50 min

Nachdenken über den Mythos „Mutterschaft“.

Was bedeutet es, eine „gute“ Mutter zu sein?

Wer legt den Maßstab fest?

Das Mutterbild wird seit Jahrhunderten in jeder Kultur von religiös motivierten Idealen geprägt, deren westliches Vorbild Maria ist. Sie verkörpert männliche Macht-Phantasien von Keuschheit, Unterwürfigkeit, Selbstlosigkeit und von bedingungsloser Loyalität – Eigenschaften, die auch heute noch das Frauenbild in nahezu jeder patriarchalen Gesellschaft prägen.

Dieses Bild ist brüchig und beginnt sich zunehmend aufzulösen. Frauen wollen selbstbestimmt sein.
Aber was bedeutet es eine „gute“ Mutter zu sein?
Nachdenken über den Mythos „Mutterschaft“…

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