Schlafes Bruder

2022, Animation, 3:00 min

Die Arbeit zeigt 12 Fotografien von vier Tänzerinnen. Erst in der schnellen Abfolge dieser Fotografien und ihrer konstruierten Reihenfolge entsteht eine künstliche, sich scheinbar endlos wiederholende Choreografie. Dieser Tanz ist eine Metapher auf das sich stetig mühevoll drehende Lebensrad, an dessen Ende der Tod als Befreiung steht – ein Memento-mori!-Tanz.

Text: aus der Kreuzstabkantate von Johann Sebastian Bach („Komm, o Tod, du Schlafes Bruder, komm und führe mich nur fort; löse meines Schiffleins Ruder, bringe mich an sichern Port!“)

Tänzerinnen: Silvana Lemm, Therese Madeleine Thonfors, Natalie Farkas

Was bleibt am Ende eines Lebens?
Zwei Zahlen und dazwischen ein kurzer schwarzer Strich
.

Christian Boltanski
Visits: 900
Today: 31
Total: 120311

Childhood Must Be Beautiful

2022, Video, 3:50 min

Nachdenken über den Mythos „Mutterschaft“.

Was bedeutet es, eine „gute“ Mutter zu sein?

Wer legt den Maßstab fest?

Das Mutterbild wird seit Jahrhunderten in jeder Kultur von religiös motivierten Idealen geprägt, deren westliches Vorbild Maria ist. Sie verkörpert männliche Macht-Phantasien von Keuschheit, Unterwürfigkeit, Selbstlosigkeit und von bedingungsloser Loyalität – Eigenschaften, die auch heute noch das Frauenbild in nahezu jeder patriarchalen Gesellschaft prägen.

Dieses Bild ist brüchig und beginnt sich zunehmend aufzulösen. Frauen wollen selbstbestimmt sein.
Aber was bedeutet es eine „gute“ Mutter zu sein?
Nachdenken über den Mythos „Mutterschaft“…

Visits: 1243
Today: 0
Total: 120311

Die Anprobe

2022, Videoinstallation 3:00 min

Ich probiere verschiedene Identitäten an, wie ich Kleidungsstücke anprobiere. Es sind Menschen, die ich kannte und deren Geschichte ich als „Abkömmling“ fortsetze. Wer bin ich und was haben sie aus mir gemacht? Lebt ein Teil von ihnen in mir weiter? Für den Augenblick dieser Installation werden sie durch mich wieder lebendig.

Visits: 700
Today: 0
Total: 120311

Hänsel

2019, Kurzfilm, 5:57 min

In diesem surrealistischen Kurzfilm findet sich der Zuschauer in einer beklemmenden Situation von Orientierungslosigkeit, Unbehagen und Vorahnung wieder. Er wird im Unklaren über den Protagonisten, dessen Motivation für sein Handeln und dessen Bezug zum Raum gelassen. Gleichzeitig wird ihm eine unangenehme Nähe zum Geschehen zuteil, der er sich nicht entziehen kann. Kinderhände, Brotkrumen, Feuer und tote Insekten nehmen Bezug zu Grimms Märchen „Hänsel und Gretel“.

Diese Arbeit verweist auf David Finchers Film „Se7en“ und „Streets of Crocodiles“ der Brüder Quay.

Visits: 676
Today: 2
Total: 120311

Rückkehr ins Paradies

Rückkehr ins Paradies wurde zu einer Zeit geschrieben, als ich viel auf Autobahnen unterwegs war, meist als Beifahrerin. Ich hatte immer meinen Fotoapparat dabei, um mir die Zeit zu vertreiben. Aber irgendwie zog mich etwas an, was mir beim Fotografieren passierte: Es reizte mich wie eine Jägerin, sofort zu reagieren und die Motive mit der Kamera festzuhalten, während das Auto zügig weiterfuhr. Die zufälligen Orte und die abstrakten und diffusen, aber sehr klaren Bilder schienen perfekt geeignet, um repräsentative Orte zu visualisieren, die nicht mehr mit einem bestimmten Ort, sondern mit einer bestimmten Zeit assoziiert werden. Da ich mich selbst als kontrollierten und konzentrierten Menschen bezeichnen würde, wurde es mehr und mehr zu einem Konzept, die Kontrolle dem Zufall zu überlassen und mit den Ergebnissen zu improvisieren.“

E.K-H In: Articulaction 2015, S.28

2015, Animation, 3 x C-print, 20 x 20 cm

Neben dem biblischen Paradies gibt es viele „Paradiese“: Kindheit oder Heimat beispielsweise sind Sehnsuchtsorte, die mehr zeitlich verortet sind als räumlich. Die einzige Möglichkeit, in diese Paradiese zurückzukehren, besteht darin, sich zu erinnern. Der Erinnerungsprozess ist jedoch unterschiedlichen Störungen ausgesetzt. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit der Suche nach dem richtigen Radiosender, der durch überlagerte Frequenzen oder statische Geräusche gestört wird. Ebenso ist das Gedächtnis nicht immer zugänglich sein. Oft gibt es nur vage Bilder, die ein hohes Maß an Interpretation erfordern.

Ortsverschiebungen, Neue Gallerie im Höhmannhaus, Augsburg, 2017, Ausstellungsaufbau

Visits: 344
Today: 0
Total: 120311

Memento…Boltanski!

2016, 4:55min, fHD Video 16:9

Memento… Boltanski! “ ist ein Vanitas-Tanz auf die Sinnlosigkeit des Lebens.

Eine künstliche Choreografie wird durch Aneinanderreihung und Wiederholung von 25 Standbildern generiert. Ein Rhythmus wird durch Module natürlicher und künstlicher Geräusche gebildet (Wassertropfen und das Klappern einer Maschine). Eine flüsternde Stimme rezitiert „Das Begräbnis der Toten“ aus dem Gedicht „The Waste Land“ von T.S. Eliot

Im linken Teil des Bildschirms befindet sich ein statisches Bild, das auf den ersten Blick an ein sakrales Motiv erinnert, vielleicht an eine Art Altar. Tatsächlich ist es ein Tisch mit einem Vogelnest im Licht einer Neonlampe. Darin liegen kleine Vogel-Skelette.

Tänzer: Dominik Feistmantl


„Memento…Boltanski!“ is a vanitas dance on the futility of life.

An artificial choreography is generated by variation of order and repetition of 25 stills of a dancing Person. In the same way a rhythm is formed by moduls of natural and artificial sounds (water drops and a machinery’s chattering). A whispering voice recites “The Burial of the Dead“ out of the poem “The Waste Land“ by T.S. Eliot.

In the left part of the screen there is a static image that at first sight reminds us of a sacral motif, perhaps some kind of altar. In fact, it is a table with a bird’s nest in the light of a neon lamp. In it lie small bird skeletons.

Dancer: Dominik Feistmantl

Visits: 521
Today: 0
Total: 120311

Muster

2016, Videoinstallation, 9:50 min

Die Natur wird durch Chaos als treibende Kraft bestimmt, die zur Ordnung führt. Die stärkste Form der Ordnung ist ein Muster bzw. ein Rhythmus.

Teil eins
Muster sind regelmäßig wiederkehrende Strukturen, die aus Modulen in vordefinierter Reihenfolge und Wiederholung generiert werden. Als Individuen und soziale Wesen werden wir auf natürliche Weise von Mustern beeinflusst: Herzschlag und Atem haben einen Rhythmus (auditives Muster). Der genetische Code ähnelt einem Muster. Der Stoffwechsel wird durch „Muster“ bestimmt: Nährstoffaufnahme, Transport, Transformation und Ausscheidung – sowie der Verlauf der Natur: Frühling, Sommer, Herbst und Winter – Geburt, Wachstum, Fortpflanzung und Tod. Wir umgeben uns mit Mustern: Tapeten, gemusterte Textilien, Musik, Tanz, Bräuche, Verhalten. Muster geben uns Sicherheit, weil sie vorhersehbar sind.

Teil zwei – die Maschinerie
Muster helfen dem Einzelnen auch, sich harmonisch in die Gesellschaft einzufügen und einen Beitrag zu ihrem Erfolg zu leisten. Diese Tatsache macht uns Maschinen ähnlich. Diese funktionieren, weil Antriebe und Zahnräder bestimmten Mustern folgen und so die Maschinerie in Bewegung halten.

Teil drei – Perpetuum Mobile
Wir sind Teil eines Systems, das aus Individuen besteht, die nach Mustern funktionieren. Wenn ein Teil ausfällt, wird es durch ein anderes Arbeitselement ersetzt – ein Prinzip, das ein System in ständiger Bewegung hält.

Tänzer: Alessandra La Bella, Jennifer Ruof, Silvana Lemm, Therese Madeleine Thonfors, Natalie Farkas

„Rhythmus ist schließlich das wiederholte Muster selbst – der Code und die Schleife. Und dazu tanzen wir alle. Wir tanzen zu einer Choreografie, die in der Benutzeroberfläche vorprogrammiert ist. Diese Choreografie hat Macht: Es sind die geplanten Kontrollbewegungen. (…) Aber wir machen wirklich nur die gleichen alten Bewegungen, die alle anderen auf der Tanzfläche aus ihren (scheinbar) frei fließenden Gliedern schieben. Wir tanzen und sind Teil der Choreografie der Kontrolle.“

Renee Carmichael/ fleeimmediately.com
Visits: 644
Today: 0
Total: 120311

Postludium

2016, 7:30 min

„Ende 2015 besuchte ich das Gelände, das normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, zum ersten Mal. Die Atmosphäre der Metallkammern der Gasometer mit ihrer beeindruckenden Höhe, der seltsamen Akustik und den offensichtlichen Zeitspuren hat mich sofort angezogen. Es sah nach etwas Einzigartigem aus, das irgendwie konserviert werden muss.“

E.K-H In: Articulaction 2015, S.29

Das Video Postludium ist ein Nachruf auf das ehemalige Gaswerk in Augsburg / Oberhausen. Es zeigt einen geisterhaften Tanz in den leeren Räumen des Gebäudes, insbesondere eines historischen Gasometers vom Scheibentyp, das 1915 gebaut wurde, und eines anderen neueren Gasometers vom Scheibentyp („Gaskessel“). Diese Arbeit wirft die Frage auf, ob ein Gebäude ein Gedächtnis und damit auch eine Identität hat.

Das Stück „Echoes of Industry“ wurde im „Gaskessel“ aufgenommen.

Tänzerin: Alessandra La Bella

Sound: Gerald Fiebig, Christian Z. Müller

Inro-video: Oliver Frühschütz

Visits: 737
Today: 1
Total: 120311