Homunculus

2022, Video mit Ton, Animation, 6:27 min

Seit jeher träumt der Mensch davon, künstliches Leben zu erschaffen. Der aus dem Spätmittelalter stammende Homunkulus – das „Menschlein“ – steht sinnbildlich für diesen Wunsch und zugleich für die Ambivalenz technologischen Fortschritts, der in Literatur und Mythos selten ein gutes Ende nahm. Lange galt Kreativität, Moral und das Verstehen von Zusammenhängen als ausschließlich menschliche Fähigkeiten, begründet in der einzigartigen Komplexität des Gehirns.

Mit den jüngsten Entwicklungen der künstlichen Intelligenz, insbesondere im Deep Learning, gerät dieses Selbstbild ins Wanken. Seit 2020 zeigen täuschend echte, KI-generierte Porträts, wie Maschinen eigenständig menschliche Gesichter erschaffen können – Gesichter von Menschen, die nie existiert haben. Der moderne Homunkulus entsteht heute nicht mehr im Labor, sondern im Code: ein Produkt aus Daten, Algorithmen und neuronalen Netzen, das zugleich fasziniert, verunsichert und die Frage aufwirft, was der nächste Schritt dieser künstlichen Schöpfung sein wird.

„Homunculus“ ist eine Studie zur menschlichen Mimik anhand KI-generierter Porträts aus dem Jahr 2022. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Technologie noch in den Kinderschuhen. Die Arbeit vereint künstlerische Erkundung und technologische Beobachtung und fungiert zugleich als frühes Zeugnis der KI-Bildgeneratoren-Ära.