Rabbit Hole 4.0

2020, 3D-Animation, 9:45 min

Dieser Kurzfilm entstand im Rahmen meiner Bachelorarbeit über „Attention Engineering in den Sozialen Medien“ und beschreibt in metaphorischer Weise das Internet als großes Versuchslabor, in dem Nutzer wie „Versuchskaninchen“ mit Hilfe psychologischer „Waffen“ manipuliert werden.

Suzanne wird durch blinkende Buttons und den Sprachassistent an ihrem Computer in eine virtuelle Traumwelt gelockt, die ihr eine Lösung für ihr Schlafproblem versprechen. Tatsächlich aber ist sie nur Teil eines großen wissenschaftlichen Experiments, in dem es darum geht, ihr Verhalten gezielt zu manipulieren.

Ähnlich der „realen“ Konversationen in den sozialen Netzwerken wird die Hauptperson „Suzanne“ durch in „Echtzeit“ geschriebene Aussagen repräsentiert und tritt als physische Person in den Hintergrund. Die Kamera nimmt dabei ihren Blickwinkel ein. Aus dieser Konstellation ergeben sich drei szenische Ebenen im Film: 1.) der „virtuelle Raum“, der gleichzeitig die Bühne ist; 2.) die Bildschirmoberfläche, auf welcher Suzannes Textnachrichten erscheinen; 3.) der unsichtbare Raum vor dem Screen, in welchem wir gemeinsam mit Suzanne sitzen und der Geschichte folgen.

In den ersten beiden Teilen wird Suzanne ein anthropomorpher Sprachcomputer als Antagonist gegenübergestellt, den man nur hören kann. Durch die Umkehrung von Zuständen, nämlich die Entmaterialisierung des Menschen „Suzanne“ und die Vermenschlichung des Roboters „David“ – nur er hat eine Stimme – entsteht eine Diskrepanz in der Erwartungshaltung des Betrachters, die sehr spannungsreich ist.

Das Geschehen wird von einer Fliege begleitet. Durch ihre Präsenz macht sie immer wieder auf sich aufmerksam und demonstriert damit auf penetrante Weise „Attention Engineering“. Die Fliege als physische „Protagonistin“ im Film verdeutlicht die Absurdität der Situation, denn sie gehört sowohl der realen, als auch der virtuellen Welt an, und sie ist Täter (zieht die Aufmerksamkeit auf sich) und Opfer (stirbt) zugleich.

Klagelied

2022, Animation, 7:28 min

In dieser künstlichen Unterwasserwelt schwirren unzählige kleine Irrlichter. Sie symbolisieren all die Menschen, die zwischen 2014 und 2022 auf ihrer Flucht nach Europa ertranken. Auf dem Grund dieses Meeres hören wir den Erzählungen von fünf jungen Flüchtlingen aus Afghanistan, Pakistan, Äthiopien und Gambia zu. Sie berichten von ihren Familien, von ihrer Flucht vor Gewalt, von ihren Hoffnungen und Träumen.

Das Audiomaterial wurde mit freundlicher Genehmigung des Jungen Theaters Augsburg zur Verfügung gestellt.

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Schlaf gut, Liebes

2022, Videoinstallation, 3:46 min

Ist dies eine Gute-Nacht-Geschichte? Wohl kaum!

„Mutter“ ist ein Sinnbild für „Fürsorge“. Aber welche Bedeutung haben „Fürsorge“ und „gute Mutter“? Gibt es universelle Kritterien, die frei von sozio-kultureller Prägung sind? Tatsächlich wird das Mutterbild von gesellschaftlichen Konventionen geprägt, die – über die Zeit betrachtet – nicht immer gleich waren.

Von einem alten Familienalbum und einem Märchen der Gebrüder Grimm inspiriert entwickelt sich hier eine Geschichte, die mich nachdenklich macht und mein aufgeräumtes Mutterbild auf den Kopf stellt..

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Utopia wohnt nebenan

„Unser erstes gemeinsames Projekt war Utopie wohnt nebenan. Wir entdeckten zufällig, dass wir unsere Vergangenheit auf demselben Gebiet und auf ähnliche Weise erforschten: Er zeichnete die Erinnerungen seiner Großmutter an ihre Kindheit in Wien auf, ich die Erinnerungen meines Vaters an seine Kindheit in Timişoara. Als wir feststellten, dass es eine gemeinsame, in der Geschichte verankerte Verbindung zwischen den beiden Städten gibt, hatten wir die Idee, einen utopischen Ort zu schaffen, an dem der Osten auf den Westen trifft, an dem die Vergangenheit auf die Gegenwart trifft. Die Soundscape-Komposition mit Feldaufnahmen der beiden Städte und Interviews mit unseren Verwandten wurde am 27. Dezember 2015 auf Ö1 Kunstradio – Radio Art gesendet. Dies war ein neues Betätigungsfeld für mich. Während ich eine Diashow für das Projekt erstellte, ermutigte ich Gerald, nach Wien zu reisen, um einige Bilder dafür zu machen, wie ich es in Timişoara getan hatte. Ich glaube nicht, dass er jemals vorhatte, sich mit Fotografie zu beschäftigen.“

E.K-H In: Articulaction 2015, S.29
2015 / 2019, Gemeinschaftsprojekt mit Gerald Fiebig, Sound produziert für ORF Kunstradio, Uraufführung 27.12.2015, 22:30 min

„25 Jahre nach Ende des Kalten Krieges ist vielerorts wieder eine große politische Distanz zwischen Westeuropa (z.B. Österreich) und Osteuropa (z.B. Rumänien) auszumachen. Allein schon an den historischen Wahlverwandtschaften zwischen den Städten Wien und Timişoara lässt sich festmachen, dass dies ein Zerrbild ist. Für das Stück Utopia wohnt nebenan bewegen sich die Autor_innen durch die beiden Städte, inspiriert vom situationistischen Konzept der psychogeographischen Erkundung. Ausgangspunkte des ‚Umherschweifens’ sind jeweils die Stadtteile Innere Stadt und Josefstadt (die es aufgrund der gemeinsamen Geschichte in Wien und Timişoara gibt). Aus den dabei gesammelten Fieldrecordings und Fotografien komponieren sie die Klang-Bild-Landschaft einer utopischen Stadt, in der der Gegensatz von West und Ost außer Kraft gesetzt ist. In die Komposition eingewoben sind O-Töne mit Zeitzeug_innen, die sich an solidarisches Zusammenleben in ihrer Heimat in Wien bzw. Timişoara unter schwierigen sozialen und politischen Bedingungen in unterschiedlichen Phasen des 20. Jahrhunderts erinnern. Die Zitate werden anhand gemeinsamer thematischer Motive in einen dialogartigen Bezug zueinander gesetzt, die den Blick auf den „Überschuss des Möglichen im Wirklichen“ (Ernst Bloch) der realen Geschichte von Österreich und Rumänien eröffnen. Die Sprecher_innen sind Friederike Brenner (geboren 1923 in Mödling bei Wien) und Johann Kassnel (geboren 1932 in Jahrmarkt bei Timişoara).“

Gerald Fiebig
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