


2023,
Videoloop mit Ton,
5:31 min,
mp4-Datei, Format 16:9,
Limitierte Auflage: 5 + 2AP.
„Wir alle tragen ein totes Kind in uns.“ Christian Boltanski zitiert Tadeusz Kantor
Wir bewegen uns durch ein verlassenes Haus. Die Räume lassen eine frühere Nutzung erahnen, ohne sie ausdrücklich preiszugeben. An den Wänden taucht immer wieder ein altes Klassenfoto auf. Auf der Rückseite steht: „Jahrgang 1911“. Die darauf abgebildeten Personen bleiben namenlos. Das Bild beginnt sich zu verändern: Die Augen der Kinder bewegen sich und erkunden exakt synchron den Raum.
Die Arbeit greift auf eine historische fotografische Praxis zurück: die Post-mortem-Fotografie, bei der die Verstorbenen so inszeniert wurden, als wären sie noch anwesend – ein Versuch, Präsenz im Bild einzufangen. In der Videoarbeit wird dieses Prinzip nicht einfach verlagert, sondern unterlaufen: Die synchronisierten Augenbewegungen erzeugen eine künstliche Lebendigkeit, die gerade durch ihre Unnatürlichkeit die Abwesenheit radikal sichtbar macht.
Ich positioniere mich als Lehrerin innerhalb der Gruppe und werde Teil dieser Anordnung. Die Grenze zwischen Bild und Intervention löst sich auf. In dieser visuellen Logik ist die Zeit nicht linear organisiert, sondern als zirkulierendes System, in dem Präsenz und Verschwinden untrennbar miteinander verflochten sind.
Ausstellungshistorie:
2024 – Ein Zimmer für sich allein, Sonthofen, Stadthausgalerie
2023- House of New Realities, Augsburg
2023 – 75. Große Schwäbische Kunstausstellung, Augsburg, Glaspalast
