Rabbit Hole 4.0

2020, 3D-Animation, 9:45 min

Dieser Kurzfilm entstand im Rahmen meiner Bachelorarbeit über „Attention Engineering in den Sozialen Medien“ und beschreibt in metaphorischer Weise das Internet als großes Versuchslabor, in dem Nutzer wie „Versuchskaninchen“ mit Hilfe psychologischer „Waffen“ manipuliert werden.

Suzanne wird durch blinkende Buttons und den Sprachassistent an ihrem Computer in eine virtuelle Traumwelt gelockt, die ihr eine Lösung für ihr Schlafproblem versprechen. Tatsächlich aber ist sie nur Teil eines großen wissenschaftlichen Experiments, in dem es darum geht, ihr Verhalten gezielt zu manipulieren.

Ähnlich der „realen“ Konversationen in den sozialen Netzwerken wird die Hauptperson „Suzanne“ durch in „Echtzeit“ geschriebene Aussagen repräsentiert und tritt als physische Person in den Hintergrund. Die Kamera nimmt dabei ihren Blickwinkel ein. Aus dieser Konstellation ergeben sich drei szenische Ebenen im Film: 1.) der „virtuelle Raum“, der gleichzeitig die Bühne ist; 2.) die Bildschirmoberfläche, auf welcher Suzannes Textnachrichten erscheinen; 3.) der unsichtbare Raum vor dem Screen, in welchem wir gemeinsam mit Suzanne sitzen und der Geschichte folgen.

In den ersten beiden Teilen wird Suzanne ein anthropomorpher Sprachcomputer als Antagonist gegenübergestellt, den man nur hören kann. Durch die Umkehrung von Zuständen, nämlich die Entmaterialisierung des Menschen „Suzanne“ und die Vermenschlichung des Roboters „David“ – nur er hat eine Stimme – entsteht eine Diskrepanz in der Erwartungshaltung des Betrachters, die sehr spannungsreich ist.

Das Geschehen wird von einer Fliege begleitet. Durch ihre Präsenz macht sie immer wieder auf sich aufmerksam und demonstriert damit auf penetrante Weise „Attention Engineering“. Die Fliege als physische „Protagonistin“ im Film verdeutlicht die Absurdität der Situation, denn sie gehört sowohl der realen, als auch der virtuellen Welt an, und sie ist Täter (zieht die Aufmerksamkeit auf sich) und Opfer (stirbt) zugleich.