Kunstpreis der Stadt Krumbach 2013

Heimat ist anderswo ist ein Buchobjekt und Teil einer geplanten mehrteiligen Reihe: bisher sind davon zwei Alben fertiggestellt, ein weiteres ist im Entstehen. Die Künstlerin selbst erweitert die Titelaussage zu einem Bedingungssatz: „Heimat, hat man sie einmal verloren, ist immer anderswo“. Was im ersten Moment tautologisch klingt, löst Fragen aus: Kann man Heimat wiederfinden? Kann man sie nur in der Vergangenheit haben oder ist Heimat am Ende eher eine Utopie oder ein Trauma? Diese allgemeinen Fragen erfasst und verarbeitet Erika Kassnel-Henneberg in einer sehr persönlichen, ruhigen Weise, die den Betrachter jedoch nicht ausschließt, sondern ihn durch sinnliche Präsenz anlockt: Alte Fotoalben werden aufwendig restauriert, mit golden eingerahmten, an Ikonenmalerei erinnernden Bildfenstern versehen und dann mit persönlichem Material bestückt: Die Fotos sind zum kleineren Teil historische Relikte, zum größeren aber eigene Aufnahmen der Künstlerin, die meisten davon Schnappschüsse aus dem fahrenden Auto heraus; damit wird schon formal das Reisen, das Suchen, das Nicht-Zu-Hause-Sein angesprochen. Gleichzeitig spiegeln die neuen und mit einer digitalen Patina belegten Bilder die Schwierigkeiten der Suche nach Heimat: sie sind Sehnsuchtsbild und Fake zugleich, immer wieder versuchte Aneignung der Vergangenheit und Suche nach der eigenen Position in der Gegenwart. Das Werk ist kein spektakulärer ,,Hingucker“ – es ist eine „leise“ konsequent durchgeformte Arbeit, die umso mehr Seiten entfaltet, und umso mehr Saiten zum Klingen bringt, je mehr man sich Zeit mit ihr lässt.“

Aus der Laudatio zum Kunstpreis der Stadt Krumbach, 12.3.2013

Art Award Krumbach 2013

Home is Somewhere Else is a book object and part of a planned multi-part series: so far, two albums have been completed, another is in the making. The artist herself expands the title statement into a conditional sentence: „Home, once you have lost it, is always somewhere else“. What at first sounds tautological triggers questions: Can one find home again? Can one only have it in the past or is home in the end rather a utopia or a trauma? Erika Kassnel-Henneberg captures and processes these general questions in a very personal, quiet way that does not, however, exclude the viewer but attracts him or her through sensual presence: old photo albums are elaborately restored, provided with gold-framed picture windows reminiscent of icon painting and then filled with personal material: The photos are to a lesser extent historical relics, but to a greater extent the artist’s own photographs, most of them snapshots taken from a moving car; this already formally addresses travelling, searching, not being at home. At the same time, the new pictures, covered with a digital patina, reflect the difficulties of the search for home: they are images of longing and fakes at the same time, repeatedly attempted appropriations of the past and the search for one’s own position in the present. The work is not a spectacular „eye-catcher“ – it is a „quiet“, consistently formed work that unfolds all the more sides and makes all the more strings sound, the more you take your time with it.“

From the laudation for the Art Award of the City of Krumbach, 12.3.2013