Schwarzes Kopftuch

2013, Fotoalbum, verschiedene Papiere, Acrylfarben, Gaze, 34 x 21 x 6 cm,

Ein altes Familienalbum ist bestückt mit gedanklichen Verknüpfungen an die Vergangenheit: Briefe, Fotografien, Texte… Es ist ein Versuch der Rekonstruktion. Das Zurückholen der Vergangenheit mit Mitteln der Gegenwart. Aber wie viel Wahrheit ist darin noch enthalten? Und wie viel Utopie spiegelt sich darin wider? Denn Erinnerung ist eine Mischung aus Wahrheit und schmückendem Beiwerk. Je größer die zeitliche und räumliche Distanz ist, desto mehr reduziert sich der Wahrheitsgehalt auf einen Bodensatz. Was bleibt ist das Wesentliche – eine Metapher über Zeit und Raum: Kindheit und Heimat.


An old family album is filled with mental links to the past: letters, photographs, texts … It is an attempt at reconstruction. Bringing back the past by means of the present. But how much truth is there? And how much utopia is reflected in it? Because memory is a mixture of truth and decorative accessories. The greater the temporal and spatial distance, the more the truth content is reduced to a sediment. What remains is the essential – a metaphor about time and space: childhood and home.

Begraben in Vergessenheit

Das Fotoalbum ist eine Metapher des Zweifelns an der eigenen Existenz – ein Archiv von Lebensbeweisen, das wertlos wird, wenn sich niemand mehr an die Geschichten hinter den Bildern erinnert. Ich habe dieses Fotoalbum auf dem Flohmarkt gekauft und es mit meinen eigenen Bildern gefüllt: Beweise für Tod und Verfall – ein Archiv der Vergessenheit.


The photo album is a metaphor of doubting the own existance – an archive of evidences of life, which becomes worthless when nobody remembers the stories behind the images anymore. I bought this photo album at the flea market and filled it with my own images: evidences of death and deterioration – an archive of oblivion.

Heimat ist anderswo

2013, Fotoalbum, verschiedene Papiere, 34 x 21 x 6 cm, Mittelschwäbisches Heimatmuseum Krumbach, Kunstpreis der Stadt Krumbach

Dieser Arbeit liegt folgendes Statement zugrunde:

„Heimat, hat man sie einmal verloren, ist immer anderswo.“

Dies Suche nach Heimat. also nach einem Ort der Identifikation und Zugehörigkeit, kann aber auch zur Obsession werden. Ich beschriebe diese als eine lange Autofahrt ohne Ankunft, denn jedes scheinbare Ankommen macht schmerzlich bewußt, daß Heimat nicht da ist, wo man sie gesucht hat. Hier habe ich ein altes Familienalbum mit eigenen Fotografien gefüllt, die ich aus dem fahrenden Auto gemacht habe. Sie wurden von mir mit einer digitalen Patina versehen, wodurch die Gegenwart mit der Vergangenheit und Realität mit Fiktion verschmelzen.


This work is based on the following statement:

„Home, once lost, is always somewhere else.“

The piece focuses on an obsessive search for a place of identification and belonging. I describe it as a long car ride without arrival because every apparent arrival makes you painfully aware, that homeland isn’t where you searched for it. The book is an old family album filled with my own photographs, which I mostly took out of the moving car. I also manipulated them in a way, so they look old. In so doing present melts into past and reality into fiction.

Unter der Oberfläche

2014, Fotoalbum, Fotografie, verschiedene Papiere, Wachs

Eine Oberläche ist die äußere Hülle eines Gegenstandes. Eine Oberfläche umhüllt, schützt und verbirgt Geheimnisse. Ein Buch hat auch eine Oberfläche: ein Einband, der die Seiten und damit auch den Inhalt beschützt. Seit der Erfindung des Fotoapparates wurde es in der westlichen Welt Tradition, das kollektive Gedächtnis in Fotoalben aufzubewahren und damit die eigene Herkunft zu dokumentieren. Es wurde von Generation zu Generation weitergereicht.

Jedoch ist das kollektive Gedächtnis nicht von Bestand und bereits nach drei Generationen hat es sich so sehr verändert, dass ein Familienalbum seinen ideellen Wert verlieren kann. Ich kaufe solche offensichtlich wertlos gewordenen Familienalben auf virtuellen Flohmärkten. Ich löse deren kollektives Gedächtnis auf, um ein neues, universelles zu erschaffen.

In dieser Arbeit lade ich den Betrachter dazu ein, seinen voyeuristischen Blick in ein unbekanntes Fotoalbum zu werfen. Seite für Seite, Schicht für Schicht dringt er tiefer ein unter die Oberfläche einer kryptischen Erzählung – einer Geschichte, die sich jedem auf andere Weise erschließt.


A surface is the outer shell of an object. A surface envelops, protects and hides secrets. A book also has a surface: a cover that protects the pages and thus also the content. Since the invention of the camera, it has become a tradition in the western world to keep the collective memory in photo albums and thus to document one’s own origin. It has been passed on from generation to generation.

However, the collective memory does not last and after three generations it has changed so much that a family album can lose its ideal value. I buy such family albums, which have obviously become worthless, at virtual flea markets. I dissolve their collective memory in order to create a new, universal one.

In this work I invite the viewer to cast their voyeuristic gaze into an unknown photo album. Page by page, layer by layer, he penetrates deeper beneath the surface of a cryptic narrative – a story that opens up to everyone in a different way.