Rückkehr ins Paradies

Rückkehr ins Paradies wurde zu einer Zeit geschrieben, als ich viel auf Autobahnen unterwegs war, meist als Beifahrerin. Ich hatte immer meinen Fotoapparat dabei, um mir die Zeit zu vertreiben. Aber irgendwie zog mich etwas an, was mir beim Fotografieren passierte: Es reizte mich wie eine Jägerin, sofort zu reagieren und die Motive mit der Kamera festzuhalten, während das Auto zügig weiterfuhr. Die zufälligen Orte und die abstrakten und diffusen, aber sehr klaren Bilder schienen perfekt geeignet, um repräsentative Orte zu visualisieren, die nicht mehr mit einem bestimmten Ort, sondern mit einer bestimmten Zeit assoziiert werden. Da ich mich selbst als kontrollierten und konzentrierten Menschen bezeichnen würde, wurde es mehr und mehr zu einem Konzept, die Kontrolle dem Zufall zu überlassen und mit den Ergebnissen zu improvisieren.“

E.K-H In: Articulaction 2015, S.28

2015, Animation, 3 x C-print, 20 x 20 cm

Neben dem biblischen Paradies gibt es viele „Paradiese“: Kindheit oder Heimat beispielsweise sind Sehnsuchtsorte, die mehr zeitlich verortet sind als räumlich. Die einzige Möglichkeit, in diese Paradiese zurückzukehren, besteht darin, sich zu erinnern. Der Erinnerungsprozess ist jedoch unterschiedlichen Störungen ausgesetzt. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit der Suche nach dem richtigen Radiosender, der durch überlagerte Frequenzen oder statische Geräusche gestört wird. Ebenso ist das Gedächtnis nicht immer zugänglich sein. Oft gibt es nur vage Bilder, die ein hohes Maß an Interpretation erfordern.

Ortsverschiebungen, Neue Gallerie im Höhmannhaus, Augsburg, 2017, Ausstellungsaufbau

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Memento…Boltanski!

2016, 4:55min, fHD Video 16:9

Memento… Boltanski! “ ist ein Vanitas-Tanz auf die Sinnlosigkeit des Lebens.

Eine künstliche Choreografie wird durch Aneinanderreihung und Wiederholung von 25 Standbildern generiert. Ein Rhythmus wird durch Module natürlicher und künstlicher Geräusche gebildet (Wassertropfen und das Klappern einer Maschine). Eine flüsternde Stimme rezitiert „Das Begräbnis der Toten“ aus dem Gedicht „The Waste Land“ von T.S. Eliot

Im linken Teil des Bildschirms befindet sich ein statisches Bild, das auf den ersten Blick an ein sakrales Motiv erinnert, vielleicht an eine Art Altar. Tatsächlich ist es ein Tisch mit einem Vogelnest im Licht einer Neonlampe. Darin liegen kleine Vogel-Skelette.

Tänzer: Dominik Feistmantl


„Memento…Boltanski!“ is a vanitas dance on the futility of life.

An artificial choreography is generated by variation of order and repetition of 25 stills of a dancing Person. In the same way a rhythm is formed by moduls of natural and artificial sounds (water drops and a machinery’s chattering). A whispering voice recites “The Burial of the Dead“ out of the poem “The Waste Land“ by T.S. Eliot.

In the left part of the screen there is a static image that at first sight reminds us of a sacral motif, perhaps some kind of altar. In fact, it is a table with a bird’s nest in the light of a neon lamp. In it lie small bird skeletons.

Dancer: Dominik Feistmantl

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Muster

2016, Videoinstallation, 9:50 min

Die Natur wird durch Chaos als treibende Kraft bestimmt, die zur Ordnung führt. Die stärkste Form der Ordnung ist ein Muster bzw. ein Rhythmus.

Teil eins
Muster sind regelmäßig wiederkehrende Strukturen, die aus Modulen in vordefinierter Reihenfolge und Wiederholung generiert werden. Als Individuen und soziale Wesen werden wir auf natürliche Weise von Mustern beeinflusst: Herzschlag und Atem haben einen Rhythmus (auditives Muster). Der genetische Code ähnelt einem Muster. Der Stoffwechsel wird durch „Muster“ bestimmt: Nährstoffaufnahme, Transport, Transformation und Ausscheidung – sowie der Verlauf der Natur: Frühling, Sommer, Herbst und Winter – Geburt, Wachstum, Fortpflanzung und Tod. Wir umgeben uns mit Mustern: Tapeten, gemusterte Textilien, Musik, Tanz, Bräuche, Verhalten. Muster geben uns Sicherheit, weil sie vorhersehbar sind.

Teil zwei – die Maschinerie
Muster helfen dem Einzelnen auch, sich harmonisch in die Gesellschaft einzufügen und einen Beitrag zu ihrem Erfolg zu leisten. Diese Tatsache macht uns Maschinen ähnlich. Diese funktionieren, weil Antriebe und Zahnräder bestimmten Mustern folgen und so die Maschinerie in Bewegung halten.

Teil drei – Perpetuum Mobile
Wir sind Teil eines Systems, das aus Individuen besteht, die nach Mustern funktionieren. Wenn ein Teil ausfällt, wird es durch ein anderes Arbeitselement ersetzt – ein Prinzip, das ein System in ständiger Bewegung hält.

Tänzer: Alessandra La Bella, Jennifer Ruof, Silvana Lemm, Therese Madeleine Thonfors, Natalie Farkas

„Rhythmus ist schließlich das wiederholte Muster selbst – der Code und die Schleife. Und dazu tanzen wir alle. Wir tanzen zu einer Choreografie, die in der Benutzeroberfläche vorprogrammiert ist. Diese Choreografie hat Macht: Es sind die geplanten Kontrollbewegungen. (…) Aber wir machen wirklich nur die gleichen alten Bewegungen, die alle anderen auf der Tanzfläche aus ihren (scheinbar) frei fließenden Gliedern schieben. Wir tanzen und sind Teil der Choreografie der Kontrolle.“

Renee Carmichael/ fleeimmediately.com
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