Entität träumt Körper

StartAnimation
Entität Körper Leben und Simulation
Entität träumt Körper, 2025, Rauminstallation mit 2 Videos (cgi, animation, TV-Skulptur, 10 Polaroids (2025 / 2015 / 2011). Simulation.

In Entität träumt Körper werden die Grenzen zwischen Leben und Simulation erforscht: Ein atmender Hautballon hebt und senkt sich, daneben ein Kinderspielzeug, dessen überlebendig wirkende Augen den Blick erwidern. Menschliche Fragmente, Technik und Spielzeug verschmelzen zu einem hybriden Wesen – vertraut und unheimlich zugleich.

Die Arbeit verhandelt die Grenzen zwischen Mensch und Maschine, zwischen dem technisch Machbaren und dem ethisch Vertretbaren. Prothesen und Erweiterungen erscheinen nicht als Fortschritt, sondern als irritierende Transformationen, die das Menschliche verfremden. Anstatt Visionen harmonischer Koexistenz zu entwerfen, legt die Installation die Ambivalenz und Unruhe einer möglichen Zukunft offen: Wo beginnt das Synthetische das Menschliche zu überformen? Und wie lässt sich in einer Welt permanenter Erweiterung noch eine Balance zwischen Menschlichkeit und Entfremdung denken?

Hybride Wirklichkeit

Dieser Gedanke materialisiert sich in zehn Polaroids, die ein Spielzeug – dem hybriden Wesen verblüffend ähnlich – in den Händen eines Kindes zeigen. Die Fotografien basieren auf dokumentarischem Material und tragen die Spuren realer Vergangenheit in sich.

Aus einer anderen Ecke des Raumes dringt eine Stimme, die über „Posthumanismus“ halluziniert. Ein Turm aus Sockeln erhebt sich, gekrönt von einem kleinen TV-Röhrenfernseher, der als „Kopf“ fungiert. Auf dem Bildschirm erscheint der digital rekonstruierte Kopf eines Kindes, generiert aus realem Archivmaterial. Stimme und Text stammen von einer künstlichen Intelligenz.

Die Arbeit verbindet Erinnerung und technologische Simulation und verdichtet Fragen nach Identität, Reproduktion und der Rolle des Menschen im posthumanen Zeitalter.

Musik: Rasmus Kassnel-Henneberg

Neuer Humanismus in der digitalen Transformation

Im Zentrum von Kassnel-Hennebergs Arbeit steht die Frage nach einem neuen Humanismus. Dabei geht es um die Rolle des Menschen in der digitalen Welt. Sie untersucht, wie künstliche Intelligenz, Algorithmen und digitale Systeme das Menschliche verändern. Gleichzeitig fragt sie kritisch, inwieweit der Mensch noch autonom handeln kann, wenn technologische Prozesse Entscheidungen beeinflussen oder sogar ersetzen.

Ihre Werke eröffnen einen Diskurs über das Verhältnis von biologischer Existenz und technologischer Erweiterung. Dieses Thema zieht sich durch ihr gesamtes Zeitbasiertes Medienkunst-Portfolio. So zeigt sich, wie stark Technologie die menschliche Wahrnehmung und Identität prägt.


Medienübergreifende Praxis zwischen Analog und Digital

Kassnel-Henneberg versteht ihre künstlerische Praxis als Brücke zwischen analogen und digitalen Welten. Deshalb arbeitet sie medienübergreifend mit:

  • Video
  • CGI (Computer Generated Imagery)
  • Künstlicher Intelligenz
  • Polaroid-Fotografie
  • Collage und Mixed Media

Durch diese Kombination entstehen Werke, die zwischen Realität und Simulation, zwischen Dokumentation und Konstruktion angesiedelt sind. Das Publikum wird eingeladen, die eigene, medial geprägte Wahrnehmung kritisch zu hinterfragen. Zugleich schafft der Einsatz analoger Techniken einen spannenden Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.


Ausbildung und interdisziplinäre Grundlagen

Ihr künstlerischer Werdegang basiert auf einer interdisziplinären Ausbildung. Zunächst studierte sie Restaurierung an der Hochschule der Künste Bern. Dort erlernte sie handwerkliche Fähigkeiten und entwickelte ein tiefes Verständnis für Materialität, Geschichte und kulturelles Erbe. Anschließend absolvierte sie ein Studium der Interaktiven Medien an der Technischen Hochschule Augsburg.

Diese Kombination aus konservatorischem Wissen und digitaler Medienkompetenz bildet die Grundlage ihres Zeitbasierten Medienkunst-Portfolios. Sie ermöglicht ihr, traditionelle und moderne Techniken zu verbinden.


Ausstellungen, Festivals und internationale Anerkennung

Kassnel-Hennebergs Arbeiten wurden national und international präsentiert. Besonders hervorzuheben ist ihre Einzelausstellung „Uncanny Valley“ in der Neuen Galerie im Höhmannhaus der Städtischen Kunstsammlungen Augsburg. Dort thematisierte sie das Unheimliche, das entsteht, wenn künstliche Systeme Menschen zunehmend ähneln.

Darüber hinaus war sie mehrfach beim FILE – Electronic Language International Festival in São Paulo vertreten. Dieses Festival gehört zu den weltweit wichtigsten Plattformen für digitale und zeitbasierte Medienkunst und unterstreicht die internationale Bedeutung ihrer Arbeit.


Auszeichnungen und künstlerische Anerkennung

  • 2013: Kunstpreis der Stadt Krumbach für das Buchobjekt „Heimat ist anderswo“
  • 2022: Kunstpreis des Landkreises Augsburg für das Gesamtwerk

Diese Auszeichnungen würdigen nicht nur ihre kontinuierliche Auseinandersetzung mit Identität, Erinnerung und gesellschaftlichem Wandel. Sie zeigen auch, wie relevant ihr Zeitbasiertes Medienkunst-Portfolio für die zeitgenössische Kunst ist.


Lehre, Jurytätigkeit und Medienkultur

Neben ihrer künstlerischen Arbeit ist Kassnel-Henneberg als Lehrbeauftragte tätig. Sie unterrichtet an der Technischen Hochschule Augsburg und an verschiedenen privaten Kunstakademien. Darüber hinaus engagiert sie sich in Jurygremien und unterstützt junge Positionen in der Medienkunst aktiv.

Ihr pädagogisches und kuratorisches Wirken ergänzt ihre künstlerische Praxis. Es stärkt den Diskurs um zeitbasierte Medienkunst in Deutschland nachhaltig.


Fazit: Zeitbasierte Medienkunst als gesellschaftliche Reflexion

Erika Kassnel-Hennebergs Werk steht exemplarisch für eine zeitgenössische Kunst, die ästhetische Innovation mit gesellschaftlicher Relevanz verbindet. Ihr Zeitbasiertes Medienkunst-Portfolio lädt dazu ein, über Humanismus, Technologie und Identität in einer vernetzten Welt neu nachzudenken. Gleichzeitig zeigt es, wie Kunst Orientierung und Reflexion in einer komplexen, digitalen Realität bieten kann https://eri-kassnel.de/sichtbar-verknuepft-frei/ https://gedok-muc.de/

Ewige Jagd

StartAnimation

In einem von Betonmauern umschlossenen Raum kreist die Kamera um einen goldenen Apfel. Jenseits der Mauern kein Außenraum, kein Himmel – nur eine konturlose Schwärze. Zwei gesichtslose Avatare erscheinen, die ihre Handlungen auf den Apfel ausrichten, ohne ihn zu erreichen. Seine spiegelnde Oberfläche zeigt eine zweite Umgebung: einen abgeschlossenen, verfallenen Ort mit vergitterten Fenstern.

Die Szene organisiert sich als geschlossener Kreislauf. Annäherung, Gewalt und Wiederholung greifen ineinander, ohne zu einem Abschluss zu kommen. Der Apfel fungiert als Fixpunkt – ein Zentrum, das die Abläufe bündelt und zugleich blockiert.

Am Ende bleibt der Raum leer: umgeben von Beton, überzogen mit Spuren von Handlung, Zählung und Markierung.

Perpetuum Mobile

StartAnimation
Rauminstallation, 76. Große Schwäbische Kunstausstellung, Halle 1 – Raum für Kunst im Glaspalast, Augsburg, 2024

Dieses Video zeigt einen korridorartigen Raum ohne Türen oder Fenster. Ein Pendel mit einer Glühbirne schwingt wie ein Uhrwerk zwischen den Wänden des Raumes hin und her und erzeugt einen mechanischen Rhythmus aus Licht und Dunkelheit. In diesem Wechsel werden Wandflächen sichtbar, die mit Erinnerungsfragmenten bedeckt sind: eine Blumentapete, ein Andachtsbild, ein ausgestopfter Hirschkopf und kryptische Formeln, die „Ewigkeit“ und „Erinnern“ als variable Zustände bezeichnen. Zunächst wirken diese Elemente vertraut und biografisch verwurzelt.

Mit der Wiederholung des Pendelschlags verschiebt sich diese Lesbarkeit. Die Szene verliert ihre Intimität und kippt in eine verdichtete, klaustrophobische Struktur. Der Raum erscheint weniger als Ort denn als System aus Wiederholung und Rückkopplung, in dem persönliche und historische Spuren nicht mehr trennbar sind.

Der Raum wird damit zu einem Speicher ohne Hierarchie, in dem Erinnerung nicht archiviert, sondern fortlaufend rekonstruiert wird. Was als biografisches Material erscheint, löst sich in eine abstrakte Logik der Wiederkehr auf.

Diese Logik setzt sich im Übergang zur physischen Installation fort. Objekte aus dem Video tauchen im realen Raum erneut auf und lösen die Grenze zwischen virtuellem und physischem Raum auf. Ein Andachtsbild des Christuskindes, das Tauben füttert, sowie keramische Tierschädel spiegeln die gezeigten Motive wider. Auf Polaroids an der Wand erscheinen einzelne Objekte erneut, darunter der ausgestopfte Hirschkopf. Durch diese wiederholte Übersetzung zwischen den Medien zirkulieren die Dinge zwischen Realität, Bild und Bedeutung. Dokumentation, Inszenierung und Ideologie werden ununterscheidbar. Der Raum erscheint zugleich real und konstruiert – als Sinnbild einer Gegenwart, in der historische Relikte, politische Narrative und mediale Wiederholungen eine Erfahrung permanenter Wiederkehr erzeugen.

Deep Paradise in St. Konrad

StartAnimation

3. 11. bis 3.12.2023

Vernissage am 3. November um 19 Uhr in St. Konrad, Bärenstr. 22, 86156 Augsburg.

Finissage am 3.Dezember 2023.

Der Apfel war und ist in vielen Kulturen von hoher Symbolkraft: Sei es als Sinnbild für ewige Jugend, ewiges Leben, für Liebe, Fruchtbarkeit, Paradies und Sündenfall. In dieser Videoinstallation umkreisen wir einen goldenen Apfel. Wir können im Hintergrund und auf seiner spiegelnden Oberfläche vertraute Orte im Bärenkeller (Stadtteil in Augsburg) erkennen. Wie Fremdkörper schweben darin flächige Porträts von verschiedenen Personen. Wer sind diese Menschen? Die heilige Familie? Unsere Nachbarn? Es hat sie nie gegeben, sondern sind Outputs einer künstlichen Intelligenz. Ist dies das Paradies auf Erden?

https://pg-augsburg-oberhausen-bärenkeller.de/kunstinstallationen/

Beitrag von katholisch 1 tv

Virtueller Rundgang

Deep Paradise

StartAnimation

Der Apfel war und ist in vielen Kulturen von hoher Symbolkraft: sei es als Sinnbild für ewige Jugend, ewiges Leben, für Liebe, Fruchtbarkeit, Paradies und Sündenfall.

In dieser Installation schwebt ein goldener Apfel einem Fixstern gleich in der Luft. Auf seiner glänzenden Oberfläche spiegeln sich vertraute Orte (im augsburger Stadtteil Bärenkeller). Wie geht es den Menschen dort und in der Welt?
Fremdartig dagegen wirken die flächigen Porträts in dieser Landschaft. Wer sind diese Menschen? Die Heilige Familie? Unsere Nachbarn? Es hat sie nie gegeben, sondern sind Outputs einer künstlichen Intelligenz. Wir leben in einer Zeit voller Umbrüche. Neue Technologien vermitteln uns das Gefühl zunehmend die Kontrolle über Wahrheit und Lüge, über Gut und Böse zu verlieren. Ist dies das Paradies auf Erden?

Der Apfel birgt in seinem Inneren ein Geheimnis, denn dort gibt es einen kleinen Stern, gebildet aus 5 Kernen. Er soll daran erinnern, dass unser Handeln darüber entscheidet, ob wir dem „Paradies auf Erden“ ein Stück näher rücken.

Die ortsspezifische Videoinstallation nimmt Bezug zum realen Raum: Kirche, Stadtteil, Stadt… indem sie diesen als digitales Spiegelbild zeigt, welches wiederum von der glänzenden Oberfläche des goldenen Apfels reflektiert wird. Eine Art visuelle Rekursion, in der Realität und Fiktion, analog und digital miteinander verschmelzen.

Rückkehr ins Paradies

StartAnimation

Neben dem biblischen Paradies gibt es viele „Paradiese“: Kindheit oder Heimat beispielsweise sind Sehnsuchtsorte, die mehr zeitlich verortet sind als räumlich. Die einzige Möglichkeit, in diese Paradiese zurückzukehren, besteht darin, sich zu erinnern. Der Erinnerungsprozess ist jedoch unterschiedlichen Störungen ausgesetzt. Diesen Vorgang vergleiche ich mit der Suche nach dem richtigen Radiosender, der durch überlagerte Frequenzen oder statische Geräusche gestört wird. Ebenso ist das Gedächtnis nicht immer zugänglich. Oft gibt es nur vage Bilder, die ein hohes Maß an Interpretation erfordern.

3 C-Prints auf Aludibond

Memento…Boltanski!

2016, 4:55min, fHD Video 16:9

„Denn eines ist stärker als wir, uns zwar das ewige Fortschreiten der Zeit, die nie anhält und zwangsläufig zum Tod führt.“

Christian Boltanski

Eine künstliche Choreografie wird durch Aneinanderreihung und Wiederholung von 25 Standbildern generiert. Ein Rhythmus wird durch Module natürlicher und künstlicher Geräusche gebildet (Wassertropfen und das Klappern einer Maschine). Eine flüsternde Stimme rezitiert „Das Begräbnis der Toten“ aus dem Gedicht „The Waste Land“ von T.S. Eliot

Im linken Teil des Bildschirms befindet sich ein statisches Bild, das auf den ersten Blick an ein sakrales Motiv erinnert, vielleicht an eine Art Altar. Tatsächlich ist es ein Tisch mit einem Vogelnest im Licht einer Neonlampe. Darin liegen kleine Vogel-Skelette.

Memento… Boltanski! “ ist ein Vanitas-Tanz auf die Sinnlosigkeit des Lebens.

Die Basis dieser Arbeit sind Fotografien in Langzeitbelichtung, die während einer Tanzprobe gemacht wurden. Da die Reihenfolge der Fotos von mir neu geordnet wurden, hat der so entstandene „Tanz“ nichts mehr mit der ursprünglichen Choreografie zu tun. Auf akustischer Ebene bin ich ähnlich vorgegangen: aus Wassertropf- und Maschinengeräuschen habe ich einzelne Elemente selektiert und zu einem Rhythmus zusammengestellt.
Alle Geräusche wurden von mir selbst produziert und editiert, exklusiv für diese Arbeit.

Tänzer: Dominik Feistmantl

[apvc_embed type=“customized“ border_size=“2″ border_radius=“5″ background_color=““ font_size=“14″ font_style=““ font_color=“#938fc5″ counter_label=“Visits:“ today_cnt_label=“Today:“ global_cnt_label=“Total:“ border_color=““ border_style=“solid“ padding=“20″ width=“220″ global=“true“ today=“true“ current=“true“ icon_position=““ widget_template=“schattenbox“ ]

Muster

StartAnimation

Die Natur wird durch Chaos als treibende Kraft bestimmt, die zur Ordnung führt. Die stärkste Form der Ordnung ist ein Muster bzw. ein Rhythmus.

2016, Videoinstallation, 9:50 min

„Rhythmus ist schließlich das wiederholte Muster selbst – der Code und der Loop. Und dazu tanzen wir alle. Wir tanzen zu einer Choreografie, die in der Benutzeroberfläche vorprogrammiert ist. Diese Choreografie hat Macht: Es sind die geplanten Kontrollbewegungen. (…) Aber wir machen wirklich nur die gleichen alten Bewegungen, die alle anderen auf der Tanzfläche aus ihren (scheinbar) frei fließenden Gliedern schieben. Wir tanzen und sind Teil der Choreografie der Kontrolle.“ Renee Carmichael/ fleeimmediately.com

Teil eins – Muster

Muster sind regelmäßig wiederkehrende Strukturen, die aus Modulen in vordefinierter Reihenfolge und Wiederholung generiert werden. Als Individuen und soziale Wesen werden wir auf natürliche Weise von Mustern beeinflusst: Herzschlag und Atem haben einen Rhythmus (auditives Muster). Der genetische Code ähnelt einem Muster. Der Stoffwechsel wird durch „Muster“ bestimmt: Nährstoffaufnahme, Transport, Transformation und Ausscheidung – sowie der Verlauf der Natur: Frühling, Sommer, Herbst und Winter – Geburt, Wachstum, Fortpflanzung und Tod. Wir umgeben uns mit Mustern: Tapeten, gemusterte Textilien, Musik, Tanz, Bräuche, Verhalten. Muster geben uns Sicherheit, weil sie vorhersehbar sind.

Teil zwei – die Maschinerie

Muster helfen dem Einzelnen auch, sich harmonisch in die Gesellschaft einzufügen und einen Beitrag zu ihrem Erfolg zu leisten. Diese Tatsache macht uns Maschinen ähnlich. Diese funktionieren, weil Antriebe und Zahnräder bestimmten Mustern folgen und so die Maschinerie in Bewegung halten.

Teil drei – Perpetuum Mobile

Wir sind Teil eines Systems, das aus Individuen besteht, die nach Mustern funktionieren. Wenn ein Teil ausfällt, wird es durch ein anderes Arbeitselement ersetzt – ein Prinzip, das ein System in ständiger Bewegung hält.

Tänzerinnen: Alessandra La Bella, Jennifer Ruof, Silvana Lemm, Therese Madeleine Thonfors, Natalie Farkas