Vergebens / In Vain

Was bleibt am Ende eines Lebens? Zwei Zahlen und dazwischen ein kurzer schwarzer Strich.“

Christian Boltanski

Tänzerinnen: Silvana Lemm, Therese Madeleine Thonfors, Natalie Farkas


What is left at the end of a life? Two numbers and a short black line between them.“

Christian Boltanski

Memento…Boltanski!

Memento… Boltanski! “ veranschaulicht auf ästhetisierende Weise die Sinnlosigkeit des Lebens.

Eine künstliche Choreografie wird durch Aneinanderreihung und Wiederholung von 25 Standbildern generiert. Ein Rhythmus wird durch Module natürlicher und künstlicher Geräusche gebildet (Wassertropfen und das Klappern einer Maschine). Eine flüsternde Stimme rezitiert „Das Begräbnis der Toten“ aus dem Gedicht „The Waste Land“ von T.S. Eliot

Im linken Teil des Bildschirms befindet sich ein statisches Bild, das auf den ersten Blick an ein sakrales Motiv erinnert, vielleicht an eine Art Altar. Tatsächlich ist es ein Tisch mit einem Vogelnest, in dem kleine Vogel-Skelette liegen, der von einem Neonlicht beleuchtet wird.

Tänzer: Dominik Feistmantl


„Memento…Boltanski!“ deals in an aestheticising manner with futility of life.

An artificial choreography is generated by variation of order and repetition of 25 stills of a dancing Person. In the same way a rhythm is formed by moduls of natural and artificial sounds (water drops and a machinery’s chattering). A whispering voice recites “The Burial of the Dead“ out of the poem “The Waste Land“ by T.S. Eliot.

In the left part of the screen there is a static picture, which at first sight reminds of a sacral motive, maybe a kind of altar. In fact it is a table with a bird’s nest and small skeletons on the surface, which is lighted by a neon light.

Dancer: Dominik Feistmantl

Muster / Patterns

Die Natur wird durch Unordnung als treibende Kraft bestimmt, die zur Ordnung führt. Die stärkste Form der Ordnung ist ein Muster.

Teil eins

Muster sind regelmäßig wiederkehrende Strukturen, die aus Modulen in vordefinierter Reihenfolge und Wiederholung generiert werden. Als Individuen und soziale Wesen werden wir auf natürliche Weise von Mustern beeinflusst. Der Herzschlag hat einen Rhythmus, der ein Bewegungsmuster ist; sowie der Atem. Der genetische Code ähnelt einem Muster. Der Stoffwechsel wird durch „Muster“ bestimmt: Nährstoffaufnahme, Transport, Transformation und Ausscheidung – sowie der Verlauf der Natur: Frühling, Sommer, Herbst und Winter – Geburt, Wachstum, Fortpflanzung und Tod.

Wir umgeben uns mit Mustern: Tapeten, gemusterten Textilien, Musik, Tanz, Bräuchen, Verhalten. Wir fühlen uns mit Mustern sicher, weil sie vorhersehbar sind.

Teil zwei – die Maschinerie

Muster helfen dem Einzelnen auch, sich harmonisch in die Gesellschaft einzufügen und einen Beitrag zu ihrem Erfolg zu leisten. Diese Tatsache macht uns Maschinen ähnlich. Diese funktionieren einfach, weil Antriebe und Zahnräder bestimmten Mustern folgen und so die Maschinerie in Bewegung halten.

Teil drei – Perpetuum Mobile

Wir sind Teil eines Systems, das aus Individuen besteht, die nach Mustern funktionieren. Wenn ein Teil ausfällt, wird es durch ein anderes Arbeitselement ersetzt – ein Prinzip, das ein System in ständiger Bewegung hält.

„Rhythmus ist schließlich das wiederholte Muster selbst – der Code und die Schleife. Und dazu tanzen wir alle. Wir tanzen zu einer Choreografie, die in der Benutzeroberfläche vorprogrammiert ist. Diese Choreografie hat Macht: Es sind die geplanten Kontrollbewegungen. (…) Aber wir machen wirklich nur die gleichen alten Bewegungen, die alle anderen auf der Tanzfläche aus ihren (scheinbar) frei fließenden Gliedern schieben. Wir tanzen und sind Teil der Choreografie der Kontrolle.“

Renee Carmichael/ fleeimmediately.com

Nature is determined by disorder as the driving force, which results in order. The strongest form of order is a pattern.

Part One

Patterns are regularly recurring structures, which are generated from modules in predefined order and repetition. As individuals and social creatures, we are naturally affected by patterns. The heartbeat has a rhythm, which is a motion pattern; as well as the breath. The genetic code resembles a pattern. Metabolism in general is determined by patterns: nutrient uptake, transport, transform and excrete – as well as the course of nature: spring, summer, fall and winter – birth, growth, reproduction and death.

We surround ourselves with patterns: wall papers, patterned textiles, music, dance, customs, behaviour. We feel save with patterns, because they are predictable.

Part Two – the machinery

Patterns also help individuals to fit into society harmonically and to make a contribution to its success. This fact makes us similar to machines. They just work, because power units and gear wheels follow certain patterns and in so doing keep moving.

Part Three – perpetuum mobile

We are a part of a system, which consists of individuals, who function according to patterns. If one part is failing, it is replaced by another working element – a principle, which keeps a system in permanent movement.

Dancer: Dominik Feistmantl

„After all, rhythm is the repeated pattern itself – the code and the looping. And we all dance to that. We dance to a choreography that is pre-programmed into the interface. This choreography has power: it is the planned moves of control.(…) But really we are just making the same old moves that everyone else on the dance floor is pushing out of their (seemingly) free flowing limbs. We dance, and we are part of the choreography of control.“

Renee Carmichael/ fleeimmediately.com

Postludium

2016, 7:30 min

„Aufgrund seiner nicht-visuellen Natur, seiner „körperlosen Stimme“, präsentiert sich das Radio als das perfekte „hauntologische“ Medium, um das Verschwinden darzustellen, das Verblassen einmal sichtbarer Dinge in einen Zustand, in dem sie halb vorhanden sind, halb in Erinnerung bleiben. Echoes of Industry verpflichtet sich, die sozialen und architektonischen Veränderungen in europäischen Städten in akustischer Form widerzuspiegeln, wenn bestimmte Branchen aufgegeben werden. Ihre früheren Standorte werden zu Museen, Veranstaltungsorten für kulturelle Veranstaltungen oder einfach zu Ruinen, während die Industrie selbst zunehmend digitaler wird.“

Gerald Fiebig über „Echoes of Industry

Das Video Postludium ist ein Nachruf auf das ehemalige Gaswerk in Augsburg / Oberhausen. Es zeigt einen geisterhaften Tanz in den leeren Räumen des Gebäudes, insbesondere eines historischen Gasometers vom Scheibentyp, das 1915 gebaut wurde, und eines anderen neueren Gasometers vom Scheibentyp („Gaskessel“). Diese Arbeit wirft die Frage auf, ob ein Gebäude ein Gedächtnis und damit auch eine Identität hat.

Das Stück „Echoes of Industry“ wurde im „Gaskessel“ aufgenommen.

Tänzerin: Alessandra La Bella


„Due to its non-visual nature, its ‘disembodied voice,’ radio presents itself as the perfect ‘hauntological’ medium for representing the disappearance, the fading of once visible things into a state where they are half present, half remembered. Echoes of Industry undertakes to reflect, in an acoustic form, the social and architectural shifts that happen in European cities as certain industries are abandoned, their former sites becoming museums, venues for cultural events, or simply ruins, while industry itself becomes increasingly digital.“

Gerald Fiebig about „Echoes of Industry

The video Postludium is an obituary for the former gasworks area in Augsburg/ Oberhausen. It shows a ghostlike dance in the empty rooms of the building especially of a historical disc-type gasometer, built in 1915, and another recent disc-type gasometer („Gaskessel“). This work raises the question of whether a building has a memory and thus also an identity.

The piece „Echoes of Industry“ was recorded in the „Gaskessel“.

Dancer: Alessandra La Bella

Credits:
Gerald Fiebig, Christian Z. Müller, Alessandra La Bella, Oliver Frühschütz

Flee Immediately!

„Flee Immediately! attempts to research a world in-between design, art, technology, culture, offline, online… and it constantly redefines itself along the way.“

Renée Carmichael

2016 nahm ich an einem experimentellen Online-Event teil, initiiert von Renée Carmichael – Künstlerin, Programmiererin und Tänzerin mit Schwerpunkt Tanz & Code. Die Veröffentlichung der Webseite, die von Renée programmiert worden war, fand online statt. Der Besucher wurde selbst Teil des Konzeptes Tanz & Code, da er mit seinen Fingern auf dem Tablett einer vorgegebenen „Choreographie“ folgte. Somit wurde er selbst zum Tänzer. Die Arbeiten auf der Webseite stammten von verschiedenen Künstlern und setzten sich im weitesten Sinn mit Tanz auseinander, so auch meine Arbeit: Eine Vorversion zu dem Video „Patterns“, das damals noch aus drei einzelnen Videos bestand.

www.fleeimmediately.com

Renées Idee passte genau zu meinem Konzept – oder war es genau umgegehrt? Auf jeden Fall muss ich ihren Worten nichts hinzufügen:

After all, rhythm is the repeated pattern itself – the code and the looping. And we all dance to that. We dance to a choreography that is pre-programmed into the interface. This choreography has power: it is the planned moves of control.(…) But really we are just making the same old moves that everyone else on the dance floor is pushing out of their (seemingly) free flowing limbs. We dance, and we are part of the choreography of control.“

Renee Carmichael/ fleeimmediately.com

https://blog.fleeimmediately.com/yes-to-body-thinking-yes-to-dancing-e54500a817bc