Utopia wohnt nebenan

„Unser erstes gemeinsames Projekt war Utopie wohnt nebenan. Wir entdeckten zufällig, dass wir unsere Vergangenheit auf demselben Gebiet und auf ähnliche Weise erforschten: Er zeichnete die Erinnerungen seiner Großmutter an ihre Kindheit in Wien auf, ich die Erinnerungen meines Vaters an seine Kindheit in Timişoara. Als wir feststellten, dass es eine gemeinsame, in der Geschichte verankerte Verbindung zwischen den beiden Städten gibt, hatten wir die Idee, einen utopischen Ort zu schaffen, an dem der Osten auf den Westen trifft, an dem die Vergangenheit auf die Gegenwart trifft. Die Soundscape-Komposition mit Feldaufnahmen der beiden Städte und Interviews mit unseren Verwandten wurde am 27. Dezember 2015 auf Ö1 Kunstradio – Radio Art gesendet. Dies war ein neues Betätigungsfeld für mich. Während ich eine Diashow für das Projekt erstellte, ermutigte ich Gerald, nach Wien zu reisen, um einige Bilder dafür zu machen, wie ich es in Timişoara getan hatte. Ich glaube nicht, dass er jemals vorhatte, sich mit Fotografie zu beschäftigen.“

E.K-H In: Articulaction 2015, S.29
2015 / 2019, Gemeinschaftsprojekt mit Gerald Fiebig, Sound produziert für ORF Kunstradio, Uraufführung 27.12.2015, 22:30 min

„25 Jahre nach Ende des Kalten Krieges ist vielerorts wieder eine große politische Distanz zwischen Westeuropa (z.B. Österreich) und Osteuropa (z.B. Rumänien) auszumachen. Allein schon an den historischen Wahlverwandtschaften zwischen den Städten Wien und Timişoara lässt sich festmachen, dass dies ein Zerrbild ist. Für das Stück Utopia wohnt nebenan bewegen sich die Autor_innen durch die beiden Städte, inspiriert vom situationistischen Konzept der psychogeographischen Erkundung. Ausgangspunkte des ‚Umherschweifens’ sind jeweils die Stadtteile Innere Stadt und Josefstadt (die es aufgrund der gemeinsamen Geschichte in Wien und Timişoara gibt). Aus den dabei gesammelten Fieldrecordings und Fotografien komponieren sie die Klang-Bild-Landschaft einer utopischen Stadt, in der der Gegensatz von West und Ost außer Kraft gesetzt ist. In die Komposition eingewoben sind O-Töne mit Zeitzeug_innen, die sich an solidarisches Zusammenleben in ihrer Heimat in Wien bzw. Timişoara unter schwierigen sozialen und politischen Bedingungen in unterschiedlichen Phasen des 20. Jahrhunderts erinnern. Die Zitate werden anhand gemeinsamer thematischer Motive in einen dialogartigen Bezug zueinander gesetzt, die den Blick auf den „Überschuss des Möglichen im Wirklichen“ (Ernst Bloch) der realen Geschichte von Österreich und Rumänien eröffnen. Die Sprecher_innen sind Friederike Brenner (geboren 1923 in Mödling bei Wien) und Johann Kassnel (geboren 1932 in Jahrmarkt bei Timişoara).“

Gerald Fiebig
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Postludium

2016, 7:30 min

„Ende 2015 besuchte ich das Gelände, das normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, zum ersten Mal. Die Atmosphäre der Metallkammern der Gasometer mit ihrer beeindruckenden Höhe, der seltsamen Akustik und den offensichtlichen Zeitspuren hat mich sofort angezogen. Es sah nach etwas Einzigartigem aus, das irgendwie konserviert werden muss.“

E.K-H In: Articulaction 2015, S.29

Das Video Postludium ist ein Nachruf auf das ehemalige Gaswerk in Augsburg / Oberhausen. Es zeigt einen geisterhaften Tanz in den leeren Räumen des Gebäudes, insbesondere eines historischen Gasometers vom Scheibentyp, das 1915 gebaut wurde, und eines anderen neueren Gasometers vom Scheibentyp („Gaskessel“). Diese Arbeit wirft die Frage auf, ob ein Gebäude ein Gedächtnis und damit auch eine Identität hat.

Das Stück „Echoes of Industry“ wurde im „Gaskessel“ aufgenommen.

Tänzerin: Alessandra La Bella

Sound: Gerald Fiebig, Christian Z. Müller

Inro-video: Oliver Frühschütz

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Local Shiftings

An exhibition by Eri Kassnel, Jakob Krattiger and Gerald Fiebig

27.01. – 28.03.2017, New Gallery in the Höhmannhaus Augsburg

Contrary to popular usage, places are not only determined by their location in space, but also in time. This exhibition presents three artistic positions that start from the (photographic or auditory) documentation of real places. What all positions have in common is that they integrate the spatially clearly defined place into a process that shows: the place has different identities depending on the time in which one perceives it.

Gerald Fiebig

https://kunstsammlungen-museen.augsburg.de/ortsverschiebungen-eri-kassnel-jakob-krattiger-gerald-fiebi

Ortsverschiebungen

Eine Ausstellung von Eri Kassnel, Jakob Krattiger und Gerald Fiebig

27.01. bis 28.03.2017, Höhmannhaus Galerie

Entgegen dem landläufigen Sprachgebrauch werden Orte nicht nur durch ihre Lage im Raum bestimmt, sondern auch in der Zeit. Diese Ausstellung präsentiert drei künstlerische Positionen, die von der (fotografischen oder auditiven) Dokumentation realer Orte ihren Ausgang nehmen. Allen Positionen ist gemeinsam, dass sie den räumlich eindeutig definierten Ort in einen Prozess einbinden, der aufzeigt: der Ort hat unterschiedliche Identitäten, je nachdem, in welcher Zeit man ihn wahrnimmt.

Gerald Fiebig

https://kunstsammlungen-museen.augsburg.de/ortsverschiebungen-eri-kassnel-jakob-krattiger-gerald-fiebi